Mitteilungsblatt
der Seehundfahrer. Herausgeber ist der Arbeitskreis der Kameradschaft
der Seehundfahrer. Erscheint nach Bedarf. Verantwortlich für
den Inhalt ist der jeweilige Verfasser. Alle Rechte vorbehalten.
Redakteur war Erich Schedler, Ferd.-Kobell-Strasse 13, D-85540
Haar bei München,
Weitere Ausgaben: Oktober
2001 Februar
2004
Eberhard
Schmiel hat seine letzte Reise angetreten

Völlig
unerwartet und vor allem viel zu früh ist unser Freund Eberhard
Schmiel - gerade 60 Jahre alt - am 15. Oktober verstorben. Er, der
ja erst ein paar Jahre zuvor zu den Seehunden gestoßen war,
hat so unendlich viel für diese Gemeinschaft getan und noch
mehr in seiner und unserer Planung für die Zukunft realisieren
wollen. Für ihn, der ein Berufsleben lang als Publizist und
Leiter eines professionellen Taucherteams für den Norddeutschen
Rundfunk in aller Welt tätig gewesen war, hatte seinen Beruf
als Taucher wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen aufgeben
müssen. Sein Einsatz aber, teilweise heikle Themen in unserer
nächsten Umgebung als Folgen des Zweiten Weltkrieges anzupacken,
hat er nie aufgegeben.
Seine
durch Erfahrungen geschärften Sinne ließen ihn dann auch
aufhorchen, als Gerüchte über ein in der Lübecker
Bucht entdecktes 2-Mann-Uboot Typ SEEHUND an der Küste die
Runde machten. In der ihm eigenen stillen Art Recherchen intensiv
voranzutreiben, stellte er schnell Einzelheiten fest und kam auf
diesem Weg unter anderem auch mit der Gemeinschaft der Seehundfahrer
in Kontakt. Von dort erhielt er die historischen Daten und technischen
Einzelheiten über die Menschen und Boote, die er nicht woanders
her bekommen konnte. Für ihn stand denn auch der Mensch im
Mittelpunkt seines Interesses. Die Menschen, die es gegen Ende des
Krieges mit dem kleinen Uboot mit einem Gegner hatten aufnehmen
wollen, der alsbald den völligen Zusammenbruch Deutschlands
herbeiführen würde. Das Verlangen zu wissen, wer diese
Menschen gewesen waren, was sie beseelt hatte und was sie empfunden
hatten, gleich ob sie noch lebten oder in ihren stählernen
Röhren zu Tode gekommen waren, das war es, was Eberhard Schmiel
umzutreiben begann.
Die
überlebenden Seehundfahrer gewann er ebenso schnell zu Freunden,
wie er beschloß, das kurz zuvor entdeckte Boot, das sich auf
einer Position nordwestlich von Dameshöved in nur 12 Meter
Tiefe befand davor zu bewahren, von plündernden Taucherpiraten
zerstört zu werden. Die Idee einer Bergung fanden viele höchst
interessant, doch Unterstützung wollte ihm kaum einer geben.
So entschloß er sich, das Boot auf eigenes Risiko zu bergen.
Dabei hatte er ideelle und materielle Unterstützung von einer
namhaften Werft und einem Bergeunternehmen. Das Unternehmen gelang.
Heute ist sein erster Seehund eines der zentralen Exponate des Deutschen
Marinemuseums in Cuxhaven. Bald nach dieser ersten Bergung wurden
zwei weitere Seehunde gefunden. Aber diesmal war die Lage eine völlig
andere. In einem der Boote, so war festgestellt worden, befanden
sich die sterblichen Überreste der Besatzung. Dies war nicht
nur für Eberhard Schmiel gleichsam ein Schock. Den zwangsläufig
stellten sich Gedanken ein, wer denn die beiden Männer gewesen
sein könnten, die da auf grauenhafte Weise umgekommen waren.
Was war die Ursache für ihr Leiden gewesen und wie könnten
sie ehrenvoll zu ewiger Ruhe gelangen. Die beiden Toten ergriffen
nicht nur Eberhard Schmiel. Doch er war es, der mit anderen gemeinsam
entwickelte Gedanken umsetzte und den notwendigen Entschlüssen
Taten folgen ließ. Zwei kleine Kerzenlichter auf seinem Kaminsims
erinnerten ihn mit ihrem feierlichen Schein an die vor über
56 Jahren gestorbenen Marinesoldaten, deren Namen unbekannt geblieben
sind.
Diesmal
half die Deutsche Marine, die Bergung dieses und noch eines anderen
Seehundes zu bewerkstelligen. Die beiden unbekannten Soldaten wurden
im Frühjahr 2002 in einer ergreifenden Feier, die der Volksbund
Deutsche Kriegsgräberfürsorge ausgerichtet hatte, in Lübeck
beigesetzt. Es begann die Zeit, in der Eberhard Schmiel neue Pläne
in Verbindung mit noch zwei weiteren Seehunden anpacken wollte,
einer gesunken in der Ostsee und ein an-derer in der Nordsee. Viele
Kontakte waren schon gelegt und die Ausführung von Detailvorhaben
standen unmittelbar bevor, als eine heimtückische Krankheit
Eberhard Schmiel aus unserer Mitte riß. Er hatte gewusst,
dass sein Leben ganz schnell zu Ende sein könnte aber die Möglichkeit,
mit der Krankheit noch viele Jahre zu leben, bestand eben auch.
Eine höhere Macht hat ihm wohl die letztere Chance genommen
und dennoch wissen wir, dass er bis zur letzten Minute gekämpft
hat. - Die Seehunde und ihnen nahestehende haben einen Freund und
guten Kameraden verloren. Für sie ist die Welt ärmer geworden.
Eberhard Schmiel hat sich um die Seehunde verdient gemacht. Ihre
Erinnerung wird später einmal durch sein Hin-scheiden nur in
eingeschränkter Weise aufrecht erhalten werden können.
Wir werden Eberhard Schmiel nicht vergessen - fare well sailor!
Treffen
der Seehundfahrer in Stralsund
Seit
dem denkwürdigen ersten Wiedersehen einer kleinen Gruppe von
ehemaligen Seehundfahrern, die von einer Kölner Ubootsmodellbaugruppe
zu einer Vorführung von tauchfähigen Ubootsmodellen, darunter
auch einige SEEHUNDE, teilweise im Maßstab 1:10, eingeladen
worden waren, haben sich die 'Ehemaligen' heuer zum vierzehnten
Mal zusammengefunden. Nach dem ersten Treffen 1989, bei dem in einem
Hotel in Rheyd bei Mönchengladbach eine Handvoll Teilnehmer
ein Papier zeichneten, in dem die Absicht geäußert wurde,
sich künftig alle Jahre zu treffen, hat sich die Anzahl der
Getreuen, die noch immer an den Treffen teilnehmen, erheblich vergrößert.
Andererseits haben auch einige der 'Gründungsmitglieder'
inzwischen ihre letzte Reise antreten müssen. Darunter finden
wir Kameraden mit hohen Verdiensten, wie Martin Hauschel, Gerd Schöne
und Hans Stümges. Weitere folgten - ihrer wird zu Beginn eines
jeden Treffens gedacht.
Erstaunlich, dass erst das vierzehnte Treffen historisch gesehen
an den Anfang der Marinelaufbahn der meisten der Seehundfahrer,
also gewissermaßen an den Geburtsort, zurückgekehrt ist:
Stralsund, die alte Hanse- und Marinestadt, wo die Schiffsstammabteilungen
fast aller deutscher Marinen den angehenden Seeleuten gezeigt haben,
wo der Bartel den Most holt, bei der Marine. So manch ein Fluch
mag in der Zeit der Grundausbildung auf dem Dänholm dem Ausbilder
hinterhergerufen worden sein. Aber geholfen hat es nichts, da musste
man durch.
Das bewährte Team Werner und Maike hatte vom 14. bis 17. September
2002 das Dorinth-Hotel am Stadtrand von Stralsund ausgesucht, eine
großzügige Anlage mit allerlei Möglichkeiten, es
sich gut gehen zu lassen. Die Versammlungen und damit verbundenen
Mahlzeiten in einer offenen Umgebung quasi im erweiterten Empfangsbereich
des Hotels störte am Anfang wohl etwas. Schnell gewöhnten
sich sie SEEHUNDE jedoch an die Tatsache, dass sie hier geradezu
im öffentlichen Licht standen und einige, so konnte der aufmerksame
Beobachter erkennen, fanden das gar nicht so schlimm. Auch das Programm
konnte sich sehen lassen. Das Einzige, was nicht geboten wurde,
war ein SEEHUND - den gibt es in Stralsund noch nicht, dafür
aber ein ausgewachsenes Uboot, das früher einmal der Royal
Navy gehört hat: HMS OTUS. Das Boot - es handelt sich um ein
konventionelles Tauchboot mit dieselelektrischem Antrieb hat etwa
die Größe des deutschen Typs IX D der ehemaligen Kriegsmarine
und unterscheidet sich von den alten Booten durch eine bessere Formgebung
und größere Batterien, die ihm eine erheblich größere
Unterwassergeschwindigkeit verschaffte sowie durch die Ausrüstung
mit allerlei elektronischen Geräten zur aktiven und passiven
Ortung. Damit und durch seine Bewaffnung mit modernen Torpedos hat
dieser Typ allerdings eine erheblich größere Kampfkraft
als seine deutschen Vorgänger. Einige Kameraden fanden das
jedoch Anlaß genug, HMS OTUS einen Besuch abzustatten.
Als Marineveteran in Stralsund zu sein und nicht auf den Dänholm
zu gehen, wäre wie Köln ohne den Dom. Also fand ein Stelldichein
inmitten der alten Kasernengebäude am Hafen auf dem Dänholm
statt, bei dem Gelegenheit war, so im Gehen und Stehen einen Imbiss
einzunehmen, der zu dem Angebot von Werner und Maike's Organisation
gehörte. Manch einer ist bei dieser Gelegenheit doch mal um
die Häuser gegangen, um alte Erinnerungen wieder aufzufrischen.
Natürlich ist heute alles nicht mehr so, wie es gewesen war
- der Exerzierplatz zum Beispiel hat sich zu einer kleinen Parkanlage
verändert - aber so manches andere wurde doch wiedererkannt.
Einigen gelang es sogar, einen ganz kurzen Blick auf das Marinemuseum
zu richten, das allerdings noch in überproportionalem Maß
von der jüngsten Vergangenheit des Dänholms lebt, der
Geschichte der Volkspolizei See und der daraus entstandenen Volksmarine
der untergegangenen DDR.
Die Inaugenscheinnahme der Umgebung und von Stralsund selbst barg
natürlich weitere Höhepunkte. Für denjenigen, der
es noch nie gesehen hatten, war die Fahrt mit dem Ausflugsschiff
entlang der Nordküste von Rügen, vorbei an den berühmten
Kreidekliffs ein Erlebnis der besonderen Art. Der Wettergott hatte
ein Einsehen und bescherte eine ausreichende Beleuchtung, so daß
die Felsen einen Großteil ihrer Schönheit entfalten konnten.
Dem Chronisten fielen dabei die Bilder Caspar David Friedrichs ein.
Der herrschende Wind - auf See etwa Stärke 7 aus Südwest
- verhinderte, dass man ganz bis Kap Arkona fahren konnte. Aber
auch im Windschatten lief noch eine ordentliche Dünung, die
bei den Fahrgästen auf dem Schiff keine Langeweile aufkommen
ließ. Bei dem Schiff selbst handelte es sich um ein Fahrzeug,
das in den Jahren vor der Wende gewissermaßen im öffentlichen
Nahverkehr auf der Flensburger Förde eingesetzt war. Damals
wurden diese Schiffe genutzt, um mal eben kurz nach Dänemark
zu kommen, an Land zu gehen Kaffee zu trinken und wieder zurück
nach Flensburg zu fahren. Heute wäre das etwas aufwendiger.
Bornholm ist wenigstens 6 Stunden entfernt.
Kreidefelsen von Rügen
Bei
einem Aufenthalt ehemaliger Seehundfahrer an der See gehört
ein Besuch einer heutigen Marineeinrichtung schon fast zur Tradition.
So
war es naheliegend, dies auch in Stralsund zu tun. Sehr viel Auswahl
gab es nicht, dafür aber mit viel Gehalt. Die Marinetechnikschule
in Parow, ein alter und gleichzeitig neuer Stützpunkt der Deutschen
Marine, hatte nach vorbereitenden Absprachen von Werner und Maike
einerseits und Kapitän Hullmann andererseits zu einer Besichtigung
eingeladen.
Nach
einem eher beiläufigen Empfang durch den Kommandeur der Schule
ließ es sich aber Fregattenkapitän Mann nicht nehmen,
die Einrichtungen der Schule umfassend zu präsentieren. Dem
Chronisten fiel dabei überraschend ein, dass er diesen Offizier
schon einmal kennengelernt hatte. Eine kurze Nachfrage brachte die
Bestätigung: 1992 hatte er, damals ein gerade aus der Volksmarine
übernommener Korvettenkapitän mit dem neuen Dienstgrad
Oberleutnant zur See, eine Abordnung der Marinekameradschaft Dresden
in Peenemünde mit allerlei Ausrüstung für die Jugendarbeit
in der Marinekameradschaft versorgt. Er fiel damals besonders durch
sein Verständnis und seine Flexibilität auf, denn was
nach entsprechendem eindringlichen Vortrag durch ihn an Booten und
Ausrüstung übergeben wurde, war das beste, was Peenemünde
und der heutige Schnellboot-Stützpunkt Hohe Düne zu bieten
hatten: den besten Kutter, die beiden besten Jollen und fast neue
Optimistdingis für die Kinder. Das alles kam wieder in Erinnerung
und der Chronist nahm die Gelegenheit, dafür nochmals persönlich
zu danken.
Genossen haben schließlich auch die Besucher das Privileg,
in einer Marinebarkaß nach Stralsund zurück gefahren
zu werden. Und wenn vor dem Ablegen nicht Seite gepfiffen wurde,
so lag es bestimmt daran, dass keiner der Besucher eine Uniform
getragen hatte.

Einsteigen auf der Pier in Parow
Die Rundfahrt auf der Insel Rügen mit einem Blick auf Sassnitz
weckte gemischte Erinnerungen. Für die einen waren es Ferienerinnerungen
einschließlich der früheren großen Eisenbahnfähren,
die von Sassnitz insbesondere nach Trelleborg fuhren für
andere wiederum Erinnerungen an die Wende und in Verbindung damit
an den endgültigen Abzug der sowjetischen Truppen aus Deutschland.
Schließlich
war der Rundgang durch die Altstadt von Stralsund einer der Höhepunkte
der gesamten Veranstaltung. Ein ehemaliger Offizier der Volksmarine,
genannt Kuddel (bei der Marine heißen fast alle Kuddel),
der aber auf Befragen seinen letzten Dienstgrad nicht mehr so
recht erinnerte - Fregattenkapitän zur See - oder so ähnlich
(niemand hat bislang von so einem Dienstgrad je gehört) wusste
dafür aber sehr eloquent und mit Witz über die Geschichte
Stralsunds zu berichten. Abgesehen von den Zeiten der Hanse, in
denen Stralsund zu den reichen Metropolen an der Ostsee gehörte,
spielten aber weit wichtigere Dinge in seinem Vortrag eine Rolle:
etwa der Ursprung des Bismarckherings, dessen Wiege in Stralsund
stand - und noch steht. Daneben bekam der Besucher doch auch einiges
sehenswertes aus der goldenen Zeit von Stralsund zu Gesicht wie
die eindrucksvollen gothischen Häuser und die großen
Kirchen. Insgesamt wird in Stralsund heftig restauriert und wieder
aufgebaut, denn die Stadt gehört seit kurzem zum Weltkulturerbe
- jedenfalls meinten das die Vereinten Nationen und verliehen
ihr dieses Prädikat. Den SEEHUNDEN die aufmerksam den Worten
von Kuddel gelauscht hatten, hätte man dies allerdings nicht
extra sagen müssen, die wussten das schon lange.

Es
ist keine Predigt - es ist der Vortrag von Kuddel
Aber neben den schönen Dingen, die ein Seehundfahrertreffen
zu einem so großartigen Ereignis machen, finden sich immer
auch einige Wermutstropfen. Im Zusammenhang mit den Regularien musste
auch das Verhalten eines Seehundfahrers besprochen werden, der anscheinend
keine Mühe scheut, angesichts der in diesem Jahr vorgenommenen
feierliche Beisetzung der zwei Kameraden aus dem SEEHUND von Großenbrode
unter Hinweis auf die Ehrentafel im Ubootsehrenmal Möltenort
und die Inschriften auf dem Holzkreuz für die beiden unbekannt
gebliebenen von Geschichtsfälschung und dergleichen zu reden
und damit beim Volksbund und anderen Stellen die Gesamtheit der
Seehundfahrer in Verruf zu bringen. Es wurde beschlossen, nicht
mehr auf die Tiraden dieses Herrn einzugehen. Allerdings gab es
im Rahmen der Regularien, die wie immer souverän von Erich
Schedler gehandhabt wurden, Gelegenheit, eine Neufassung von Eberhard
Schmiels Videofilm von der Beisetzung der beiden Kameraden in Lübeck
anzusehen.
Dem
Chronisten möge es hier erlaubt sein, von einer Vorführung
eben dieses Videos bei einer Versammlung des Freundeskreises von
U 995 in Laboe zu berichten. Hier haben neben den Präsidenten
des Verbandes Deutscher Ubootfahrer, KzS a.D. Rupert Bischoff, vorwiegend
junge Leute diesen Film gesehen. Sie waren davon so ergriffen, dass
sie danach mehrere Minuten still waren, ehe sie wieder Worte fanden.
Endlich musste ja auch noch über den nächsten Tagungsort
entschieden werden. Die Debatte war nicht lang. Angesichts der Tatsache,
dass der SEEHUND von Großenbrode sich derzeit noch auf der
Werft von HDW in Kiel befindet und voraussichtlich auch in 2003
möglicherweise noch nicht bei seinem Eigentümer Peter
Tamm ausgestellt sein wird, wurde ein Treffen im Norden bzw. in
Hamburg zurückgestellt. Dagegen sollte den in Süddeutschland
wohnenden SEEHUNDEN mal wieder das Privileg einer kürzeren
Anreise zuteil werden und so kam als nächster Ort für
das Seehundfahrertreffen Würzburg heraus.
Und
Werner und Maike erhielten den Auftrag, die Sache zu organisieren.
Würzburg braucht man nicht vorzustellen. Es ist eine schöne
Stadt voller Geschichte, schönen Plätzen, Bauwerken, Kirchen
und anderen Dingen. Es liegt in einem romantischen Tal am Main,
umgeben von Weinbergen, wo die berühmten Frankenweine gedeihen,
die vornehmlich in Boxbeutel gefüllt werden. Deftige Küche
und Boxbeutel, beides bekommt der Gast in der Stadt der Hospitäler
und dies sind wahrlich keine Krankenhäuser. |
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Hans
Wachsmuth inmitten von Historisch Egmond
und Fa. Leemans vor dem geborgenen Bugteil des SEEHUNDES
Es
ist schon eine merkwürdige Sache: von allen regulären
deutschen Ubooten die je gebaut wurden, das sind über elfhundert
bis zum Ende des zweiten Weltkrieges, sind mal gerade vier bis auf
den heutigen Tag noch vorhanden.
Aber
von dem am wenigsten bekannten 2-Mann-Ubootstyp 127, genannt SEEHUND,
sind fünfzehn Exemplare bekannt und zwei Boote, deren Untergangspositionen
in der Ostsee bzw. Nordsee bekannt sind.
Wo
sind die SEEHUNDE? Zur Erinnerung: Deutsches Museum in München,
Deutsches Schiffahrtsmuseum Bremerhaven, Arsenal Wilhelmshaven,
Wehrkundliche Studiensammlung Koblenz, Wrackmuseum Cuxhaven, Auto-
und Technikmuseum Speyer, Nayal Museum Hackensack, New Jersey, USA,
US Naval Shipbuilding Museum Qincy Massachusetts, USA, Musee de
la Marine, Brest, Sammlung Dupire Monthyon, Deutsches Marinemuseum
Wilhelmshaven, Militärhistorisches Museum der Bundeswehr, Dresden,
Sammlung Peter Tamm, z.Zt. HDW Kiel, und last but not least Firma
Leemans in Vriezeveen, Niederlande für die Stiftung Historische
Egmond.
Um das zuletztgenannte Boot, dessen Kommandant, der damalige LtzS
Hans Wachsmuth ja noch unter uns weilt, geht es in diesem kurzen
Bericht.
Vor ein paar Jahren, etwa 1997 fand ein Mitglied des Heimatvereins
(Stiftung) Historisch Egmond bei extremem Niedrigwasser ca. eineinhalb
Kilometer südlich der Ortschaft Egmond aan zee, das etwa 17
km nördlich der Molen von Ijmuiden liegt einen merkwürdigen
ovalen Gegenstand im Sand in der Brandungslinie. Es war der Turmaufbau
eines SEEHUNDES aber er konnte sich keinen Vers darauf machen, was
denn das sein könnte, hatte aber schon gleich den Verdacht,
es könne sich um die Reste eines kleinen Ubootes handeln, das
womöglich während des Krieges dort gestrandet sei.
Seine
Nachforschungen brachte auf ziemlich kompliziertem Weg über
einen niederländischen Historiker, das Ubootsarchiv und einer
Reihe anderer Stellen im Jahr 2000 einen Kontakt zu dem Chronisten
zustande, der zu dieser Zeit gerade an die deutsche Botschaft versetzt
worden war. Aus dieser Kontaktaufnahme entwickelte sich eine ein
freundschaftliche Verbindung, die aber auch handfeste Ergebnisse
zutage förderte.
Zunächst
konnten alle Zweifel über die Art des Fundes zerstreut werden:
es handelte sich um einen SEEHUND, der da am Strand gefunden worden
war. Der Chronist, der ja erst fünf Jahre zuvor das bekannte
Buch über die SEEHUNDE herausgegeben hatte, war sogar in der
Lage, mit Hilfe seiner bei den Recherchen angefallenen Unterlagen
herauszufinden, wer da bei Egmond gestrandet war. Zur doppelten
Überraschung übrigens, denn nicht nur die Leute von Historisch
Egmond fanden das sensationell, sondern auch der ehemalige Kommandant,
LtzS Hans Wachsmuth, genannt Philo.
Es
entwickelte sich eine regelrechte Dreieckbeziehung. Ergebnis war
eine Einladung von Historisch Egmond zum Seehundfahrertreffen nach
Dresden, wo die Holländer sich ein Bild über die Seehundfahrer
machen konnten. Eine Gegeneinladung folgte, diesmal für Philo
nach Egmond, mit der Historisch Egmond zeigen wollte, dass man seinen
Frieden mit dem ehemaligen Gegner geschlossen hatte. Die heimatverbundenen
Egmonder wollten das Boot am Strand haben, um es in Egmond zur Erinnerung
an den Krieg und als Mahnmal auszustellen.
Viel
leichter gedacht als getan, denn es fehlten die Mittel für
ein solches Unternehmen. Es mussten viele Informationen ausgetauscht
werden, ja die Holländer mussten Experten in Sachen SEEHUND
werden. Die Politik musste nicht nur zustimmen sondern auch das
Geld dafür geben oder Sponsoring unterstützend zulassen.
Aber wie das so ist, in Holland nicht anders als in Deutschland,
musste ein guter Grund für eine Bergung her. Das war nicht
leicht denn es gab ein erstes Gutachten, das besagte, dass von dem
Wrack keine Gefahr ausginge, obwohl wir von Philo wussten, dass
er seinerzeit im Februar 1945 mit beiden Torpedos an Bord gestrandet
war. Das bedeutete ca. 600 kg Sprengstoff am Strand. Nichts, was
die Politik beunruhigen konnte - es hatte ja 56 Jahre lang nicht
geknallt - warum sollte es ausgerechnet jetzt knallen, zumal die
Sache viel Geld - Steuergeld kosten würde, was man lieber für
andere Sachen ausgeben wollte?! Das ließ die Leute von Historisch
Egmond aber nicht ruhen. Mit entsprechenden Argumenten, auch von
dem Chronisten, der Erkundigungen bei der Deutschen Marine eingeholt
hatte, versuchte man nun, die Informationen bei Bergefirmen und
der Königlichen Marine so mal zufällig fallen zu lassen. |
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Das
Vorschiff von U-Wachsmuth wird gehoben
Diese
Taktik hatte schließlich Erfolg. Die weltbekannte Bergefirma
Wijsmuller Salvage in Ijmuiden begann sich zu interessieren, untersuchte
die Strandungsstelle, wo das Boot selbst inzwischen schon lange
nicht mehr sichtbar war, machte Messungen und diskutierte die Ergebnisse.
Dadurch
wurde die Marine aktiv und stellte ihrerseits Untersuchungen an,
bei denen auch der Chronist, der sich entsprechend vorbereitet hatte,
bezüglich der technischen Details der SEEHUND-Torpedos gehört
wurde.
Das
Ergebnis war ein Gutachten des Munitionsdemontierteams der Königlichen
Marine unter OltzS Meurer, das eine akute Gefährdung durch
die chemisch zerfallenden Gefechtsladungen der beiden Torpedos attestierte.
Es gab zur Räumung des Wracks und damit Bergung keine Alternative.
Dies
führte zu einem öffentlichen Auftrag an vier Spezialfirmen
und der Leitung von Wijsmuller aus Ijmuiden, die Strandungsstelle
so vorzubereiten, dass OltzS Meurer und sein Team die beiden Torpedos
und eventuelle sonstige Ladungen sicher demontieren konnten. Das
bedeutete Bau einer über hundert Meter langen Brücke vom
Dünenrand bis zur Wrackposition zum Heranbringen von Baumaschinen
und anderem schweren Gerät. Das bedeutete auch umschichtiges
Arbeiten, denn solange kein Caisson aus Spundwänden um das
Wrack in den Grund gebracht war, konnte nur bei Niedrigwasser gearbeitet
werden.
Als
es soweit war, musste unterbrochen werden, denn eine Reihe von schweren
Stürmen richtete Schaden an, der erst repariert werden musste.
Die im Sturm anrollenden Brecher waren so gewaltig, dass ein Teil
der gesetzten Spundwand aus dicken Stahlprofilen und damit verbundene
T-Träger verbogen wurden!
Schließlich kam der Tag an dem das Demontierteam seien gefährliche
Tätigkeit ausüben konnte. Der SEEHUND war soweit freigespült,
dass er weggehoben werden konnte. Dabei zerbrach er allerdings in
zwei Teile, weil die Sprengung, die sein Kommandant seinerzeit nach
der Strandung vorgenommen hatte, die Stabilität des Bootes
ruiniert hatte. Die Torpedos selbst waren schon so sehr verfallen,
dass sie nicht risikolos gerettet werden konnten. So musste sich
OltzS Meurer entschließen, die Gefechtsköpfe durch Anwendung
eines pyrotechnischen Schneideverfahrens abzutrennen.
Der
letzte Akt der Angelegenheit war die künstlich herbeigeführte
Detonation der noch rund 570 kg Sprengstoff an einer dafür
vorgesehenen Stelle auf See ca. 12 sm entfernt vor der Küste
in 20 Meter Wassertiefe. Die Sprengung wurde gefilmt - sie war enorm.
Nicht auszudenken, was passiert wäre, wenn eine solche Detonation
unkontrolliert am Strand stattgefunden hätte, angesichts der
vielen Strandbesucher und -wanderer, die fast das ganze Jahr über
dort zu finden sind und nicht zu reden von den Schäden im nahegelegenen
Ferienort Egmond.
Über
die Höhe der Rechnung kursieren verschiedene Zahlen, sie bewegen
sich zwischen 0,7 und 1,7 Mio. Euro! Das vorläufige Ende der
Angelegenheit setzte Historisch Egmond und die Königliche Marine,
indem sie kürzlich den ehemaligen SEEHUND-Kommandanten einluden,
um ihm ein Erinnerungsstück von seinem Boot zu überreichen:
Auf einer polierten Holztafel hatte man die vorderste Pistolenspitze
eines der Torpedos montiert und mit einer kleinen Messingtafel an
die Demontage und Bergung erinnert. Eine feine Geste die ihre Wirkung
nicht verfehlt haben dürfte. Das endgültige Schicksal
des SEEHUNDES ist indes noch ungewiß. Wer weiß, vielleicht
kann er noch einige Jahre vor der Verschrottung bewahrt werden.
Es wird darüber zu berichten sein - vielleicht schon in Würzburg.
Text
auf der Messingtafel:
'Zum Andenken an das Demontieren von
zwei Seehund Torpedos am 14. Mai 2002,
überreicht durch die
Tauch- und Demontiergruppe Den Helder
an Hans Wachsmuth'

Text
und Bilder: Klaus Mattes 2002 |