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UNTERSEEBOOTS-UNFÄLLE - Teil 4
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Übersicht
Sachberichte
Inhalt:

Unfälle 1
Einleitung

Unfälle 2
Überwasser-
kollisionen


Unfälle 3
Unterwasser-
kollisionen


Unfälle 4
Vollaufen von
Booten


Unfälle 5
Technische
Unfälle


Unfälle 6
Vorkehrungen


Polargeleitzüge

Der Seehund

Seehund-
Bergung


U 978
Schnorchel-
fahrten




Das Vollaufen von U-Booten

Das Vollaufen von U-Booten aus anderen Ursachen gelegentlich ihrer Verwendung.

In den Jahren, als sich die U-Bootswaffe in ihren Anfangsstadien befand, sind eine ganze Reihe von Unfällen dieser Art infolge falscher Handhabung und Bedienung vorgekommen, die wir unter die Unfälle seemännischer Natur rechnen wollen, die man aber auch, da sie zum großen Teil auf mangelhaftes Vertrautsein des Personals mit der U-Bootstechnik oder auf Mängel dieser Technik selbst zurückzuführen sind, ebenso gut unter die Unfälle technischer Natur rechnen könnte.

Ich möchte die weiter zurückliegenden dieser Unfälle hier übergehen, es ist aber doch gut, sich die Tatsache, daß solche Unfälle in erheblicher Zahl früher bei den anderen Nationen vorgekommen sind, zu vergegenwärtigen; denn in mancher Hinsicht befinden wir uns jetzt in dem entsprechenden Stadium der Entwicklung. Da müssen die im Ausland gemachten Erfahrungen natürlich dazu dienen, uns gewitzt und vorsichtig zu machen, sie sollen aber auch unser Selbstgefühl stärken, wenn uns einmal etwas Ähnliches passiert.

Denn mit Erfahrungen ist es eine eigene Sache; wenn man sagt: Erfahrung macht klug, so meint man damit mit Recht besonders die am eigenen Leibe gemachten, nicht die Erfahrungen anderer. Von den größeren Havarien dieser Art, also Wassereinbrüchen, die in der Hauptsache auf falsche Verwendung zurückzuführen sind, müssen erwähnt werden:

Deutsches Tauchboot nach der Unterwasserfahrt - German submersible after surfacing
Abb. 13. Deutsches Tauchboot nach der Unterwasserfahrt.
Die Ventilationsmasten werden wieder aufgerichtet.

Der Untergang des russischen U-Bootes 'Delphin' in Petersburg 1904, wo bei einer Tauchübung am Kai 22 Mann ertranken. Um den Mannschaften das Tauchen vorzumachen, wurden immer 33 Mann in das U-Boot hineingesteckt, dann wurde das Boot geflutet und versenkt, dann wurde aufgetaucht, neue 33 Mann wurden eingeschifft usw. Um die langweilige Übung aber etwas abzukürzen, wurde immer schon geflutet, während die Leute beim Einsteigen waren. Nun, einmal wurde etwas zu schnell geflutet, das Boot versank schon, als der letzte Mann noch im Luk war; dieser wurde zwischen Lukdeckel und Luksüll festgeklemmt, das Boot lief durch daß halb offene Luk voll und 22 Menschen kamen um.

Es bedarf kaum der Erwähnung, daß dieser Unfall mit der Wesensart des U-Bootes gar nichts zu tun hat, sondern lediglich auf Fahrlässigkeit, die nur durch die damals noch minimale Erfahrung etwas gemildert erscheint, zurückzuführen ist.

Englisches Unterwasserboot  "C 22" - British submarine "C 22"
Abb. 14. Englisches Unterwasserboot 'C 22'.

Das englische U-Boot 'A 8' ging im Jahre 1905 mit offenen. Luken fahrend dadurch unter, daß der Kommandant bei halbgeflutetem Zustand des Bootes das Vertikal-Ruder hart legte. Das Boot legte sich stark über, das innere Horizontal-Ruder tauchte ins Wasser, wirkte natürlich auf Tauchen, und das mit nur geringem Auftrieb versehene U-Boot tauchte sozusagen mit offenen Luken. Der Kommandant wurde, noch ehe er die Ruder den anderen Weg legen lassen konnte, weggespült, das Boot ging mit 15 Personen unter, die sämtlich umkamen. In erster Linie liegt hier falsche Handhabung vor, da in dem stark gefluteten Zustand des Bootes die Luken ohne Zweifel hätten geschlossen sein müssen; aber in diesem Falle steht der Mangel an Erfahrung - und zwar in erheblichem Maße - dem Kommandanten zur Seite.

Der bekannteste Fall aus dieser Gruppe ist wohl der Untergang des französischen 'Farfadet' bei Bizerta 1905 mit seiner ganzen Besatzung, der dadurch erfolgte, daß man versuchte, in geflutetem Zustand des Bootes einen nicht ganz dicht schließenden Lukdeckel nochmals zu lüften und dann völlig zu schließen. Da sich das Boot schon in Fahrt befand, faßte der Fahrtstrom den nach achtern schlagenden Deckel, riß ihn völlig auf, das Boot lief zum Teil voll Wasser und versackte. Zwar schloß sich nun der Lukdeckel durch den Wasserdruck wieder, es war aber mehr Wasser eingedrungcn, als durch Ausblasen entfernt werden konnte, das Boot blieb also auf dem Grunde liegen, und die Besatzung erstickte. Es ist klar, daß auch dieser Unfall mit der Wesensart des U-Bootes nicht unbedingt zusammenhängt: denn erstens war das nochmalige Öffnen des Luks unter den vorliegenden Umständen offenbar ein Bedienungsfehler, zweitens war das nach hinten schlagende Luk natürlich ein Konstruktionsfehler, der aber damals erst als solcher erkannt wurde.

Der 'Farfadet'- Fall hat übrigens viel von sich reden gemacht, weil er ein Musterfall für die Notwendigkeit eines Bergungsschiffes war und ist. Das Boot, dessen Insassen nachweislich noch über zwei Tage gelebt haben, lag in tiefem Wasser auf dem Grunde. Ein Schiff wie der 'Vulkan' oder eigens zu diesem Zweck gebaute Hebekräne hätten es unter günstigen Umständen in - schätzungsweise - sechs Stunden ans Tageslicht befördert, damals gelang die mit primitiven Mitteln betriebene Bergung erst am dritten Tage, als die Mannschaft von ihren Leiden erlöst war. Aber auch sie ist nicht umsonst gestorben, da ihr tragisches Geschick das U-Boots-Bergungswesen mächtig gefördert, ja es eigentlich ins Leben gerufen hat.

Unser Urteil über die Unfälle, wie sie soeben geschildert sind, können wir dahin zusammenfassen, daß sie damals, als sie entstanden, mit der We- sensart des Unterseebootes - unvollkommen und von wenig erfahrenen Menschen gehandhabt, wie es damals war - wohl in gewissem Zusammenhang standen, aber nur in geringem Maße. Für die Jetztzeit ist das aber überhaupt nicht mehr zutreffend. Sie scheiden also aus der Reihe derjenigen Fälle, die mit der Wesensart des U-Bootsdienstes heute verbunden sind, aus.

Französisches Tauchboot "Archimède" - French submersible "Archimède"
Abb. 15. Französisches Tauchboot 'Archimède'.
Aus 'Überall', XIII. Jhrg., 5. Heft.

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Letzte Änderung: Mittwoch, 23.01.2008 23:18