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Übersicht
Sachberichte
Inhalt:
Unfälle
1
Einleitung
Unfälle
2
Überwasser-
kollisionen
Unfälle
3
Unterwasser-
kollisionen
Unfälle
4
Vollaufen von
Booten
Unfälle
5
Technische
Unfälle
Unfälle
6
Vorkehrungen
Polargeleitzüge
Der
Seehund
Seehund-
Bergung
U
978
Schnorchel-
fahrten
|
Unterwasserkollisionen
Die
Unterwasser-Kollisionen.
Wir
wenden uns jetzt zu den Unterwasser-Kollisionen.
Abb.
7. Englisches Unterwasserboot 'A 12'.
Diese
sind im Gegensatz zu den Überwasser-Kollisionen ganz entscheidend
mit der Wesensart des Unterseebootes verbunden. Denn es liegt
in der Natur der Sache. daß dann der Gegensegler vom U-Boot gar nichts
sieht, während in dieser Lage das Sehvermögen des U-Bootes beschränkt
oder gar aufgehoben ist; beschränkt, wenn es die Sehrohre (die ihnen
bisher wahrscheinlich unter dem Fremdwort Periskope vertrauter sind)
dauernd zeigt, aufgehoben, wenn es ans irgendwelchen Gründen, z.B.
Manöverrücksichten, diese nicht oder doch nur von Zeit zu Zeiten zeigen
kann (s. Abb. 8).
Hiermit soll nichts gegen die Sehrohre gesagt werden,
die besonders in unserer Marine mit einer ganz vorzüglichen Optik
versehen sind und sehr gute Sehweiten erreichen, es liegt aber in
der Natur der Sache, daß das Sehvermögen durch ein Sehrohr nicht so
gut sein kann wie das von hohem Standpunkt aus bei freiem Rundblick
und direktem Sehen. Allerdings kommt auch bei der Unterwasser-Kollision
dem U-Boot seine feste Bauart, dem Tauchboot noch dazu seine doppelte
Haut zugute, deren Zwischenraum jetzt, da er nicht mehr leer, sondern
mit Wasser oder Öl gefüllt ist, als Puffer dient.

Abb.
8. Deutsches Tauchboot in Unterwasserfahrt gegen die See.
(Aufnahme
aus etwa 30 m Abstand querab.)
Aber
es ist klar, daß der feindliche Stoß das Boot jetzt nicht nur in
halber Höhe oder in den unteren Teilen, sondern auch oben treffen
kann, je nach der Tiefe, in der sich das Boot gerade befindet. Werden
die Aufbauten oder das Oberdeck des Bootes getroffen und erheblich
verletzt, gerät das Boot also unter das andere Schiff, so ist eine
Katastrophe meistens unvermeidlich. Um das zu verstehen, müssen
wir uns mit dem Vorgang des Tauchens kurz bekannt machen.
Nachdem
alle Luken und Außenbords-Verschlüsse geschlossen sind, läßt man
zunächst die äußeren Tanks, die Tauchtanks, vollaufen. Das geschieht
durch Öffnen der Flutventile und -schieber dieser Tanks vom inneren
Boot aus und durch Entlüftung dieser Tanks (vgl. Abb. 6). Das kann
bei den meisten Nationen in etwa 4 Minuten geschehen sein; bei reinen
Unterwasser-Booten, die nur wenige innere Tanks zu füllen haben,
geht das Fluten noch schneller. Bei Tauchbooten, und auf diese als
die nach unserer Ansicht allein modernen Boote wollen wir uns von
jetzt an beschränken, ist mit dem Füllen der äußeren Tanks nur die
grobe Flutarbeit geschehen.

Abb. 9.
Deutsches Tauchboot, tauchbereit in Ruhelage.
Das
Boot hat nun noch mehrere Tonnen Auftrieb, der noch bis auf einen
geringen Rest. den Restauftrieb (etwa 1 t) vernichtet werden muß,
damit das Boot tauchbereit ist. Dazu werden nun weitere druckfeste
Innentanks gefüllt, bis der gewünschte Restauftrieb vorhanden ist;
dann wird das Boot durch Trimmen, d.h. durch Bewegen von Wasserballast
von vorn nach achtern oder umgekehrt auf ebenen Kiel gelegt. Jetzt
ist das Boot, von dem nur der Oberteil des Turms aus dem Wasser
sieht, tauchbereit (vgl. Abb. 9).
Betrachten wir uns den
Zustand des Bootes näher, so finden wir einmal, daß es zwar noch
schwimmt, aber nur mit dem geringen Auftrieb von 1 t. Dringt also
mehr als 1 t Wasser ins Boot, so versinkt dieses, wenn es ihm nicht
gelingt, das Wasser sofort wieder zu entfernen. Jeder wird einsehen,
daß hierin ein Gefahrmoment liegt. Ein zweites liegt aber in dem
empfindlichen Gleichgewichtszustand des Bootes, seiner überaus geringen
Längsstabilität. Diese - hervorgerufen durch die fast völlige Eintauchung
des Bootes, also den Verlust jeglicher Formstabilität - erlaubt
es dem Boot ja zwar in Verbindung mit dem minimalen Auftrieb, jeder
Bewegung der Tiefenruder prompt und auf der Stelle zu folgen, aber
sie - die geringe Längsstabilität - ist auch gefährlich, da ein
Wassereinbruch vorn oder achtern sofort die Gleichgewichtslage des
Bootes stört und bestrebt ist, das Boot auf und nieder zu stellen.
Das wird auch geschehen, wenn es nicht durch die zu geringe Wassertiefe
oder durch sofortiges Entfernen des eingedrungenen Wassers daran
verhindert wird.

Abb.
10. Deutsches Tauchboot, Umschau haltend.
In
dieser gefährlichen Lage z.B. befand sich gerade 'U 3', als der
Wasserein- bruch, der unbemerkt eine Größe von etwa 20 t annahm,
erfolgte, und in dieser kritischen Lage befindet sich jedes U-Boot
während der Unterwasser- Fahrt. Wassereinbrüche sind dann höchst
gefährlich, besonders wenn sie an den Schiffsenden und wenn sie
von oben her erfolgen. Nur ein momentanes Auftauchen, das die Einbruchstelle
über Wasser bringt, und ein sofortiges Lenzen mittels kräftiger,
sofort wirkender Mittel kann im Verein mit dem Schlippen der Sicherheitsgewichte
- wo diese vorhanden sind - in diesem Falle vielleicht helfen. Sehen
wir uns die vorgekommenen Unfälle dieser Art an, so werden wir feststellen
können, daß alle die Fälle, bei denen infolge von Kollision ein
bedeutender Wassereinbruch unter Wasser erfolgte, bisher zur Katastrophe
geführt haben; kamen die Boote heil davon, so hat sie ihre überaus
feste Konstruktion eben vor der drohenden Gefahr des größeren Wassereinbruchs
bewahrt.

Abb.
11. Englisches Unterwasserboot 'B 4'.
Die
bekannten Falle sind folgende:
Die französische
'Bonite' mit dem Panzerschiff 'Suffren' 1906. 'Suffren' erhielt
ein Leck 'Bonite' blieb dicht und kam hoch.
Dieselbe 'Bonite' mit 'Souffleur', also zwei U-Boote untereinander. 'Souffleur'
blieb dicht, auf 'Bonite' wurde zwar ein Luk undicht, aber in
nur ganz geringem Maße. Beide Boote kamen hoch.
Das englische 'A 8' mit Dampfer 'Coath' 1907. ' A 8' wurde leck, kam aber, angeblich
durch Schlippen der Sicherheitsgewichte, die inzwischen in England
aufgegeben zu sein scheinen, hoch. Stimmt die Darstellung, so
ist das Leck nur unbedeutend gewesen, da nicht mehr Wasser eindrang,
bis das Boot die Wasseroberfläche erreichte, als das Gewicht der
Sicherheitsgewichte (meist 1 bis 2 % des Deplacements) betrug.
Das englische 'A 1' mit dem Dampfer 'Berwick-Castle' beim Nab- Feuerschiff 1904.
Das Boot wollte einen englischen Kreuzer angreifen und fuhr dazu
völlig getaucht - ohne die Sehrohre zu zeigen -; der Kommandant
hatte anscheinend übersehen, daß ein rückwärts von ihm stehender,
also zunächst ungefährlicher Dampfer - die 'Berwick- Castle' -
nach dem Passieren des Feuerschiffes Kurs ändern und ihm in den
Weg laufen könne. Der Dampfer änderte aber beim Feuerschiff seinen
Kurs, kreuzte den des Bootes und traf es am Turm; das Leck war
nicht sehr bedeutend, aber das U-Boot konnte, weil es unter den
Dampfer geriet, nicht sofort auftauchen, was aus den vorher genannten
Gründen Bedingung für seine Rettung war. Außerdem muß man annehmen,
daß der Kommandant im Turm durch die Kollision verwundet oder
betäubt war und die Leute von ihren Posten weggeschleudert waren.
Das Boot kam also nicht hoch, die ganze Besatzung kam um. Als
Konstruktionsfehler - in heutigem Sinne - ergab sich das Fehlen
eines wasserdichten Abschlusses zwischen Turm und Druckkörper.
Nicht
weniger schmerzlich und noch frischer
in der Erinnerung ist der Untergang der 'Pluviôse' 1910 infolge
Unterwasser-Kollision mit dem Dampfer 'Pas de Calais', wobei ebenfalls
die ganze Besatzung umkam. Der Vorfall ist für uns nicht ganz
aufgeklärt, besonders ist nicht klar, warum der Kommandant vor
der Hafeneinfahrt eine Tauchfahrt machte, ohne sein Sehrohr zu
benutzen.

Abb.
12. Französisches Tauchboot 'Pluviôse'.
Das ist natürlich nicht ratsam und heute in den meisten Marinen
- allerdings wahrscheinlich erst auf Grund schmerzlicher Erfahrungen
- verboten. Jedenfalls wurde das Boot von dem Dampfer
überlaufen und erhielt ein schweres Leck oben im Achterschiff.
Es sank sofort mit dem Heck auf den Grund, der Bug war noch einige
Zeit sichtbar, verschwand dann aber auch, nachdem die noch im
Boot befindliche Luft durch das Vorluk entwichen war. Dieses wurde
halb offen vorgefunden; die Besatzung hatte offenbar, von dem
Qualm der Brände, den die kurzgeschlossenen Akkumulatoren verursachten,
gezwungen, versucht, durch das Luk zu entkommen, war aber durch
das von achtern nachdringende Wasser ertränkt worden.
Die mehrerwähnte
französische 'Bonite' mit der 'Alose', also wie- der zwei U-Boote
untereinander, Oktober 1910. Beide Boote liefen infolge eines
Mißverständnisses gleichzeitig, aber aus verschiedenen Stellungen
zum Torpedoschuß an. Sie faßten sich recht heftig, erlitten aber
nur geringe Beschädigungen und kamen beide glatt an die Oberfläche.
Ich
denke, daß diese Statistik unser anfängliches Urteil im wesentlichen
bestätigt; denn wenn auch einzelne der genannten Unterwasser-Kollisionen
vermeidbar erscheinen, so wird man doch zugeben müssen, daß die
Mehrzahl durch die Eigenart des U-Bootsdienstes verursacht wurde. |