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Übersicht
Sachberichte
Inhalt:
Unfälle
1
Einleitung
Unfälle
2
Überwasser-
kollisionen
Unfälle
3
Unterwasser-
kollisionen
Unfälle
4
Vollaufen von
Booten
Unfälle
5
Technische
Unfälle
Unfälle
6
Vorkehrungen
Polargeleitzüge
Der
Seehund
Seehund-
Bergung
U
978
Schnorchel-
fahrten
|
Überwasserkollisionen
Zusammenstöße
über Wasser.
Es
will scheinen, als ob Zusammenstöße dieser Art von U-Booten untereinander
und mit anderen Fahrzeugen recht eigentlich mit der Wesensart der
U-Boote zusammenhingen, denn die allgemeine Ansicht geht wohl noch
da- hin, daß die U-Boote, weil, auch bei der Überwasser- Fahrt,
nur wenig aus dem Wasser hervorsehend, keinen genügenden Überblick
bieten, um die Gefahr des Zusammenstoßes rechtzeitig erkennen und
ihr begegnen zu können.
Diese Ansicht ist aber nur in geringem Maße
zutreffend; sie mag eine gewisse Geltung behalten für reine Unterwasserboote,
die niedrig im Wasser liegen, und besonders für Unterwasserboote
ohne Turm, von dessen Decke aus navigiert werden könnte; für Tauchboote
gilt sie gewiß nicht. Ich möchte hier gleich einem recht verbreiteten
Irrtum entgegentreten: Unterseeboote fahren nämlich im allgemeinen
nicht unter Wasser, sondern über Wasser wie alle anderen Schiffsklassen.
Sie tauchen nur, wenn es ihre Aufgaben erfordern. Zum Verständnis
des Gesagten muß ferner kurz der Unterschied zwischen einem reinen
Unterwasserboot und einem Tauchboot auseinandergesetzt werden.
Das
reine Unterwasserboot (französisch sousmarin) unterscheidet sich
vom Tauchboot (französisch submersible) dadurch, daß es alle Teile
in seinem im Querschnitt zylindrischen Druckkörper aufnimmt, während
das Tauchboot mehrere wesentliche Teile, so besonders die Tauchtanks
und die Brennstofftanks
an der Außenseite des Druckkörpers trägt. Sie sind zwischen diesem
und der Außenhaut untergebracht, und diese Außenhaut ist zu schiffsähnlichen
Formen ausgestaltet. Hierdurch ist auch der Laie in den Stand gesetzt,
in jedem Einzelfalle mit Sicherheit erkennen zu können, ob es sich
um ein reines U-Boot oder ein T-Boot, um ein Unterwasserboot im
engern Sinne, oder, um ein Tauchboot handelt.

Abb.
3. Amerikanisches Unterwasserboot 'Salmon'.
Sehen
Sie z.B. das Bild des amerikanischen Unterseeboots 'Salmon' an
(Abb. 3), so werden Sie sofort erkennen, daß der kreisförmige Druckkörper
auch die Außenhaut des Bootes bildet, daß dieses also ein reines
Unterwasserboot ist. Vergleichen Sie, bitte, hiermit das Bild des
norwegischen Unterseebootes 'Kobben' (Abb. 4), so werden Sie an
den ganz schiffsähnlichen Formen ohne weiteres erkennen. daß Sie
es mit einem Tauchboot zu tun haben.
Die grundverschiedene Wesensart
der beiden Fahrzeugstvpen wird nun natürlich besser als durch das
äußere Aussehen durch ihre völlig verschiedene innere Konstruktion
und ihre verschiedenen Eigenschaften charakterisiert. Die verfügbare
Zeit erlaubt es mir hier nur, auf die Unterschiede einzugehen, die
zum Verständnisse meiner Ausführungen nötig sind, und das ist in
diesem Zusammenhange der geringere
Freibord, die geringere Austauchung und das geringere Ausblasevermögen,
das den Unterwasserbooten vor den Tauchbooten eigen ist und sein
muß. Denn die Größe der Tauchtanks, die man innerhalb des Druckkörpers
unterbringen kann. ist natürlich gering gegenüber denen, die sich
außen anbringen lassen, d.h. also, das Tauchboot kann viel mehr
Ballast einnehmen und ausblasen als das reine Unterwasserboot, es
liegt also auch im aufgetauchten Zustand wesentlich höher aus dem
Wasser als dieses.
Abb.
4. Norwegisches Tauchboot 'Kobben' auf Stapel.
Aus
'Überall'; XIII. Jhrg., 5. Heft.
Betrachten
wir z. B. die Brücke, d.h. den Aufstellungsort der Schiffsleitung
auf dem Unterwasserboot 'Salmon' (Abb. 5), so sehen wir, daß die
Höhe dieses Ortes über Wasser ganz bede
Freitag, 19.10.2007 20:28
uml;he auf unseren U-Booten - diese sind sämtlich
Tauchboote, wie das hier im Museum für Meereskunde aufgestellte
Mittelstück eines Germania-Tauchbootes in natürlicher Größe recht
deutlich erkennen läßt. solchen
Situationen ihren Gegnern, d.h. den anderen Schiffstypen gegenüber
in einer geradezu gesicherten Lage befinden. Diese können ihnen
verhältnismäßig wenig anhaben, weil die Druckkörper der U-Boote
ungeheuer stark gebaut sein müssen - sie müssen nämlich auf 30 bis
60 m Wassertiefe druckfest sein -, während die U-Boote selbst infolge
dieser Bauart sehr gefährliche Gegner für jeden anderen Schiffstyp
bei einer Überwasser-Kollision sind.

Abb.
6. Ein Tauchboot im Längsschnitt und Querschnitt.
Gegen
den Rammstoß eines anderen Schiffes sind in besonders hohem Maße
die Tauchboote geschützt, weil bei ihnen der Gegner erst die Außenhaut
durchdringen muß, ehe er überhaupt an den starken Druckkörper herankommt
(Abb. 6). So sehen wir denn auch, daß die Überwasser-Kollisionen
im allgemeinen ohne schwere Folgen für die U-Boote, meistens aber
zum erheblichen Nachteil des Gegners verlaufen. Aus der umfangreichen
Statistik sind mir folgende Fälle zur Kenntnis gekommen:
der
französische 'Narwhal' gegen einen Schlepper 1903; der Schlepper
sank;
das englische 'A 3' mit dem Dampfer 'Prince of Wales' 1903; dieser mußte auf
den Strand gesetzt werden;
der französische 'Triton' mit der 'Silure' 1903, also zwei U-Boote untereinander;
beide wurden nur unerheblich beschädigt;
die französische
'Cigogne' mit einer Segelbrigg 1909; die Brigg erhielt ein schweres
Leck, das U-Boot hatte nur geringe Beschädigungen;
die amerikanische 'Bonita' mit dem Tender 'Castine' 1910; 'Castine' mußte schleunigst
auf Strand gesetzt werden;
der französische
'Monge' gegen einen Schlepper 1910; das Boot fuhr 2 m tief in
den Schlepper hinein, nahm ihn auf die Nase und setzte ihn auf
den Strand; es blieb dabei ganz unbeschädigt;
der französische
'Germinal' gegen einen Hochseefischer 1910; er schnitt ihn glatt
durch, blieb selbst völlig heil;
der französische
'Francais' gegen ein Torpedoboot im Januar 1911; dieses wurde
nur mit Mühe ins Dock gebracht; das U-Boot blieb ganz unbeschädigt.
Nicht
hineinstimmen will in dieses günstige Bild der beklagenswerte Unfall
des englischen U-Bootes 'C 11', das am 14. Juli 1909 vor der Humber-Mündung
von dem Dampfer 'Eddystone' überlaufen und zum Sinken gebracht wurde,
wobei 13 Mann ums Leben kamen. Hiermit kommen wir zu der einzigen,
aber nicht unbeträchtlichen Gefahr, die für die U-Boote bei Überwasser-Kollisionen
vorliegen kann.
Es ist nämlich möglich, daß der Gegensegler, besonders
wenn er einen nach hinten sich abrundenden Bug hat, wie das bei
Handelsschiffen in der Regel der Fall ist, sich bei der Kollision
auf den kreisförmigen Druckkörper hinaufschiebt und das U-Boot unter
Wasser drückt. Sind dann die Luken offen, wie das bei 'C 11' der
Fall war, so stürzt durch diese Wasser in das Boot und kann das
Boot zum Sinken bringen.
Diese Gefahr besteht wieder in höherem
Maße bei Unterwasser-Booten, die nur verhältnismäßig geringen Auftrieb
haben, und bei denen der kreisförmige Druckkörper offen zutage liegt.
Für T-Boote, die höher aus dem Wasser liegen, in der Überwasser-Fahrt
vermöge ihres größeren Auftriebs auch einen entsprechend größeren
Wassereinbruch vertragen können, und bei denen außerdem der Außenkörper
dieses Heraufschieben des anderen Schiffes erschwert, ist die Gefahr
nicht so groß. Den Beweis dafür liefert der Zusammenstoß des deutschen
U-Bootes, 'U 4' mit dem Dampfer 'Capella' im Februar vorigen Jahres,
der sich unter genau denselben Bedingungen wie der 'C 11'-Fall ereignete.
Der Zusammenstoß war ein überaus heftiger, da beide Fahrzeuge äußerste
Kraft liefen. Der Dampfer durchschnitt den Außenkörper des
Bootes, schob sich etwa bis zur Schiffsmitte auf das U-Boot herauf
und drückte es unter Wasser, so daß ein starker Wassereinbruch
durch das offene Vorluk erfolgte. Dank seiner großen Schwimmfähigkeit
kam jedoch das Tauchboot, sobald die Schiffe voneinander frei waren,
hoch, und der ganze, allerdings ziffernmäßig nicht unbedeutende
Schaden bestand, abgesehen von der gerissenen Außenhaut, in der
Zerstörung oder Beschädigung einer Reihe von Akkumulatoren-Zellen
durch das eingedrungene Seewasser. In die Gruppe der Überwasser-Kollisionen
gehört eigentlich auch der Untergang des russischen U-Bootes 'Kambala'
im Sommer 1909, das vom Spitzenschiff der Schwarze Meer-Flotte überlaufen
wurde. Der in seinen Folgen sehr beklagenswerte Unfall - die ganze
Besatzung mit Ausnahme des Kommandanten kam um - gibt aber für die
sachliche Betrachtung gar kein Material, da er durch eine sich als
schwere Fahrlässigkeit charakterisierende falsche Handhabung des
Bootes herbeigeführt wurde. Mit der Wesensart der U-Boote hat er
gar nichts zu tun.
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