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Obwohl er
wegen Materialengpässen nur mit gerade lieferbaren Bauteilen ausgestattet
wurde, hatte er bemerkenswerte Unterwasser-Eigenschaften. Über Wasser
kam er wegen des tiefliegenden, träge schließenden Schnorchels nur
bis etwa Seegang 4 bis 5 klar. Über Kombi-Steuerknüppel konnten
K. und LI. gemeinsam Kurs und Tiefe halten - wie in Flugzeugen.
Unterwasserqualitäten waren hervorragend - mit genialer Einfachheit
ein großer Wurf. Tauchen bis ca. 50 m war normal. In ca. 15 Sekunden
war der 'Hund' von der Oberfläche verschwunden, nach dem Durchpendeln
auf 15 m Wassertiefe mit 1° Vorlastigkeit und 'Kleiner Fahrt ' eingesteuert,
konnte er nur durch Verlagerung der Körpergewichte 'Strich' fahren.
Die Tauchdauer betrug bei relativer Ruhe der Besatzung etwa 30 h
- bei Anstrengung etwa durch Lenzen per Hand - nur die Hälfte. Aus
einer Sauerstoff-Druckflasche eingespritzt wurde die Raumluft über
eine Venturidüse durch eine Kali-Patrone zur CO2-Bindung gedrückt.
Ein einfaches und wirksames System von Dräger - aber sehr laut und
bei Horchverfolgung nicht zu empfehlen.

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Zur 'Einfachheit' des Entwurfs einige Beispiele:
Batterielüftung:
Der Diesel holte als Saugmotor seine Verbrennungsluft aus der Zentrale
und nicht direkt vom Schnorchel und Dieselluftmast. Man konnte den
Zuluftstrom aber umschalten und über die Batterieräume im Vorschiff
und durch den hohlen Kielraum (kleiner Batterieraum) leiten.
Die Luft machte also folgenden Weg : Dieselluftkopfventil ('Schnorchel'),
Diesel-Luftmast, Fußklappe, Zentrale (=Frischluft für die Besatzung)
großer Batterieraum, Luftleitung, kleiner Batterieraum, Luftleitung,
Dieselmotor. Der Diesel fungierte also auch als Lüfter für Batterien
und Zentrale.
Wasserpumpe:
Mit der vorhandenen Flügelradpumpe konnte gelenzt und getrimmt werden
- wahlweise. Eine Kombination von Dreiwegehähnen machte das möglich.
Die Bilge war dreigeteilt - durch den Sektionsbau. Jede Sektion
konnte einzeln gelenzt werden. Dadurch wurden große Gewichtsverlagerungen
bei Lastigkeiten verhindert.
Tiefenruder:
Es gab keine vorderen Tiefenruder. Die hinteren Tiefenruder genügten
für schnelles 'Auf Tiefe gehen'.
Raumheizung:
Wenn der Diesel allein nicht genug heizte, da ja ständig auch Frischluft
durch die Zentrale strich, konnte man den heißen Abgasstrom zur
vorderen Tauchzelle in einer Leitung durch den Zentrale-Raum leiten.
Es wurde also mit dem Dauerzustand 'AUS-Blasen' gefahren. Da die
Tauchzellen ständig unten offen waren, entwichen die Abgase ungehindert
außenbords. (Unter Wasser gab es keine Heizung - später wurde eine
E-Heizung eingebaut).
Druckausgleich
innen-/außenbords :
Ursprünglich gab es keine Möglichkeit, bei einer Havarie mit geschlossenen
Außenventilen gefahrlos einen Druckausgleich herzustellen. Ein kleiner
Zweiwegehahn wurde im Turm nachträglich eingebaut - der 'Pinkelhahn!'.
Wasserbomben
konnte der 'Hund' besser ab als große U-Boote, da er so klein war.
Die Druckwelle warf ihn als Ganzes beiseite, ohne den Druckkörper
einzupressen. Bei den größeren Booten folgte der Druckwelle unmittelbar
die Sogwelle, die den Bootskörper knickte. (Auch Eier kann man schwer
zerdrücken).
In
der Erprobung widerstand ein Seehund sogar einer Explosion unter
Wasser in nur 10 m Entfernung allerdings mit geringer Dämmung -
auch die Plexiglaskuppel blieb heil.
Für
den Druckkörper waren 6 mm starke Stahlplatten ST 52 geplant - es
gab aber nur 4 mm dicke, deren Elastizität aber noch ausreichte.
Gefährdet wurden hauptsächlich die Außenventile - besonders die
äußere Abgasklappe. Bei Alarmtauchen wurde sie von ca. 400° C auf
ca. 10° abgeschreckt und verbog sich oft dabei leicht.
Der
Seehund konnte mit Dieselfahrt in 7 Sekunden auf 5 m Tiefe wegtauchen,
was bei eingelegter Ladung sehr gefährlich für die Besatzung war.
Die E-Maschine, die zunächst als Generator lief, wurde beim Absinken
der Umdrehungszahl zum E-Motor (Sache der Klemmenspannungen) und
zog unerbittlich den abgestorbenen Diesel mit, der so zur Luftpumpe
wurde. Die Atemluft wurde zu dünn, Achtung Unterdruckmeser! Die
Lungenbläschen platzten, die Besatzung starb, was bei der Ausbildung
in der Lübecker Bucht passierte.
Außerdem
lief die Treibölpumpe weiterhin mit. Das Öl gelangte so über den
Auspuff nach außen und an die Oberfläche. Das kam vor, wenn die
Klauenkupplung hakte.
Nach
Abkuppeln des Diesels durfte der LI auch das Wiederherstellen des
normalen Luftdrucks nicht vergessen. Er mußte kostbare Druckluft
in den Raum aus den Flaschen einströmen lassen - in der Hast das
richtige Ventil bedienen und damit den Unterdruck beenden. Ohne
eingelegte Ladung blieb der Diesel eher stehen, als das der Besatzung
die Luft zu dünn wurde.
'Alarmtauchen
' war eine wenig geschätzte Übung. Gut eingefahrene Besatzungen
konnten 'Auftauchen' ohne Druckluft zu verbrauchen - mit großer
Fahrt, Tiefenruder 'oben hart' die vordere Tauchzelle mit hohem
Schwung und geöffnetem Flutventil über die Oberfläche bringen und
am höchsten Stand die Entlüftung schnell schließen.
So
wurde eine Luftblase geschnappt und das Schnorchelventil kam mit
Tiefenruder 'unten hart' frei, Diesel anwerfen und mit den Abgasen
weiter 'Ausblasen'. Das 'Anblasen' mit kostbarer Druckluft fiel
damit weg und wurde für Havarien auf dem Meeresgrund gespart!
Orten
konnte der Feind den Seehund nicht gut, besonders wenn von Flugzeugen
oder Schnellbooten abgeworfene leere Blechkanister Verwirrung stifteten.
Die eigene Horchanlage konnte man dagegen vergessen. Sie war so
gut wie wirkungslos. Man hörte sowieso im Einsatzgebiet ein ständiges
Rumoren - eine Art Hintergrundstrahlung
Mit
Treibstoffzusatztanks übertraf der Aktionsradius der Boote - und
damit die Einsatzdauer - die Leistungsfähigkeit der Besatzung bei
weitem. (Fahrbereich ohne Zusatztanks 300 sm bei 7 kn Fahrt). Die
Handlenzpumpe war ein Unding - ab 30 m Tauchtiefe kaum zu bewegen
- nur mit den vereinten Füßen von K. und LI., wobei oft der Pumpenschwengel
bei über 50 m einfach abbrach und der Sauerstoffverbrauch hoch war.
Eine
elektrisch angetriebene mehrstufige Kreisel- oder Verdrängungspumpe
hätte die Besatzung sehr entlastet und Kräfte für wichtigere Dinge
gespart.
Die
hohen Verluste von Booten und Besatzungen (30% in vier Monaten)
wurden wahrscheinlich mehr durch die schwierigen Wetter- und Seeverhältnisse
im Winter verursacht als durch Feindeinwirkung. Genaueres wird man
nie erfahren.
Die
Ausbildungszeiten - Training für die Besatzungen - waren unter dem
damaligen Zeitdruck zu kurz, also ungenügend. Die Mannschaft bestand
aus dem 'Kommandanten' (mit nur einem 'Untergebenen') und dem Leitenden
Ingenieur ('L.I.'), der außer sich selbst niemanden zum Leiten hatte.
Menschlich gesehen waren es 'Einzelkämpfer', im Gegensatz zum 'Team'
eines großen Bootes.

Zeichnung: Positionen des Kommandanten
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Die Einsatzdauer
war mit zwei Tagen und einer Nacht vorgesehen - an der Front war
eine Woche normal, es wurde sogar ein Einsatz mit 10 Tagen erreicht.
Die physische und psychische Kraft der Mannschaft wurde immer überschritten,
da in dem nur 1,30 m Durchmesser des Druckkörpers und den engen
Platzverhältnissen an Ruhe nicht zu denken war. Nach drei Nächten
ohne Schlaf ließ die Konzentration der Besatzung stark nach - trotzdem
mußten dann gerade die Angriffe gefahren werden. Unterwasser wurde
es saukalt und feucht. Überwasser heizte wenigstens der Diesel und
die Abgasleitungen.
Der eigentliche
Zweck des Bootes - dem Gegner Schaden zuzufügen - wurde kaum erreicht,
da die Bewaffnung unzulänglich war. Wegen des hohen Untertriebs
der normalen E-Tos von großen Booten (300 kp), wurden zur Gewichtseinsparung
Batteriezellen ausgebaut, denn 2 x 300 = 600 kp waren von dem kleinen
nur 15 tons schweren Boot mit der Regelzelle nicht auszugleichen.
Damit liefen
die Torpedos G7e etwa 17 kn ( 1,852 x 17 = 31,5 km/h). Ferner fehlte
eine Zielanlage. Die Torpedos waren - da außen angehängt - mit einfachen
Hebeln nur abschießbar, nicht jedoch einstellbar. Sie verhakten
sich oft beim Abschuß aus der Drehung.
Der Seehund
war nicht wendig. An der Seitenruderanlage wurde deshalb ständig
herumexperimentiert (Kastenruder, Kortdüse, Balanceruder). Die Torpedos
liefen den Kurs, den sie beim Abschuß mitbekamen. Bei im Seegang
stark schlingerndem, Boot mit kreisendem Bug, kann man sich die
Ziel-Genauigkeit (!) vorstellen. ('Gewichtsstabiles' Verhalten ).
(Normaler Uboot-Torpedo G7e T2 Antrieb elektrisch, Reichweite /
Geschwindigkeit 5000m, / 30 kn (55 km/h), abgelöst durch
T3
mit 'Magnetpistole' (Induktionszündung).
Von
T4 mit akustischer Zielverfolgung - 5700m/20 kn - kamen nur wenige
an die Front.
Der 'Zaunkönig'
T5 -5700m/24 kn - wurde zur Bekämpfung von Geleitfahrzeugen eingesetzt.
Eine Weiterentwicklung des T5, der T11 kam nicht mehr zum Einsatz.)
Das Schnorchelventil
machte über Seegang 5 viel Wasser, das mit der Flügelrad-Handpumpe
('Gartenpumpe') mühselig gelenzt werden mußte - eine tagelange Beschäftigung
für den L.I. im Anmarsch und Zielquadranten - mit dem Gegendruck
der Tiefe.
Die extrem
schwierige seemännische Situation - Navigation in starken Strom-versetzungen
ohne Landmarken, Koppeln mit verschiedenen Kursen (Seekarte auf
den Knien), wechselnde Kennungen der Leuchtfeuer, ausfallende Kompasse,
fälsche irreführende Seezeichen (Schein-Geleitzugtonnen des Gegners),
Seeminenfelder, MThw (Tiden beim Ein- und Auslaufen), Navigieren
bei meist bedecktem sternlosem Himmel, Zielen 'phi x Schnauze' aus
niedrigster Augenhöhe oder Mini-Sehrohr - praktisch ohne Sicht -
Untiefen war nichts für Anfänger. Nordsee = Mordsee.
Kommandanten-Ausbilder
waren meist erfahrene Seeleute, die Vorpostenboote in Nordsee und
Ärmelkanal navigiert hatten - aber ihre Schüler waren das nicht
und bekamen eine für die hohe See zu kurze Ausbildung. Auf normalen
Ubooten fuhr Kommandanten-Nachwuchs zunächst als II und I WO, um
Erfahrungen zu sammeln.

Ein
Klick auf die Grafik verdeutlicht noch einmal die Technik des Bootes.
Auf erfahrene
U-Bootingenieure wirkte der Seehund niedlich wie ein Spielzeug.
Er verhielt sich in Relation zu Effektivität und Technik eines üblichen
Unterseebootes wie VW-Käfer zu Formel l Rennwagen. Manches war da,
nur viel kleiner.
Technisch war der Seehund 'fast ausgereift' : Die Taucheigenschaften
waren gut - die Waffe (Torpedos) unzureichend, das Schnorchelventil
('Dieselluft-Kopfventil') schloß im Seegang ungenau und machte Wasser,
die Handpumpe hätte durch eine elektrisch angetriebene ersetzt werden
müssen, usw.!
Um oder neben dem Propeller angeordnete Kortdüse und Kastenruder
verhinderten zwar die Kavitation - das Boot wurde aber bei langsamer
Fahrt kaum steuerbar.
Klappbare Rückenlehnen (Liegesitze) hätten die Besatzung entlastet.
Am wichtigsten aber wären speziell für Seehunde entwickelte Torpedos
gewesen! In der TVA (Torpedo-Versuchs-Anstalt) wurde für Seehunde
geeignetere Torpedos gesucht. Die normalen U-Boot-Torpedos G7e mit
Ø 53,3 cm waren zu schwer oder zu langsam nach Ausbau von Batteriezellen.
Es wurden drahtgelenkte mit Unterwasser-Scheinwerfern ausgerüstete,
sowie flugzeuggestützte Torpedo 'F 5b' (Ø 40 cm) und anderes getestet
(z.B. bessere Aufhängung, längere Sehrohre für weitere Sicht usw.
).
So durften die Torpedos nach dem Start mit eigener Schraube nicht
erst absinken, um dann dynamisch wieder auf die eingestellte Tiefe
zu kommen, da Seehunde auch in flachen Gewässern eingesetzt werden
sollten.
Die Anforderungen
an die Besatzung der Seehunde und die der großen Boote waren verschieden.
Bei den Seehund-Frontfahrern wechselten härteste körperliche Anstrengung
und Gefahren von relativ kurzer Dauer mit Perioden des Ausruhens
an Land - geschützte, warme Unterkunft, trockene Betten, gutes Essen
in der Kantine des Einsatzstandorts, Ausgleichssport, Erfahrungsaustausch,
Freizeit, starke Luftabwehr im Hafengebiet sowie Entlastung bei
der Seeklarmachung durch Hafenpersonal.
Auch das 'Wachbleiben' wurde während der Ausbildung geübt - Tag-
und Nachtsimulation, Wachen, Schlafen, Wecken, Sport und Schulung
in totalem Durcheinander (Boxen, dann gleich theoretischer Unterricht,
Mathematik) sollten die Besatzungen auf unregelmäßige Einsatzverhältnisse
vorbereiten - in der Praxis brachte das aber nichts.
Die menschliche Natur - das Zeitgefühl - läßt sich nicht überlisten.
Bei den großen U-Booten waren Einsatzdauer, Ausbildungsstand und
Logistik entsprechend anders.
Die Reife zum U-Boot-L.I. (heute 'STO') nahm insgesamt 3 Jahre in
Anspruch - zum Seehund L.I. 3 Monate. Bei den Kommandanten war der
Unterschied noch krasser. Der Ausbildungsstand bei großen Booten
war wesentlich höher (Seemannschaft, Navigation, Waffentechnik,
Menschenführung, K-Lehrgänge mit Krisenbewältigung, AGRU-Front usw.)
Ein Klick auf die Grafik vermittelt die Impressionen
des Autors beim Einsatz!
Viele Seehunde
fanden den Weg zum Stützpunkt Ijmuiden nicht zurück, da die Küste
wenig markant war - meist nebelverhangen, dunkel und voller Untiefen,
vorgelagerte Sandbänke. Zweifelte die Besatzung bei einer Strandung
am schnell wechselnden Frontverlauf, mußte das Boot gesprengt werden.
Das Ufer war vermint und mit Stacheldraht an 'Rommelspargeln' vor
der Invasion geschützt. Durch die Hafenschleuse kam man nur bei
Flut nach hause...........
Wie erwähnt
war die Armierung mit 2 'Schleich-Torpedos (lahme Enten)' nur wirksam
bei Ankerliegern ohne 'Fahrt durchs Wasser' oder sehr langsamen
Zielen aus etwa 500 m Schußentfernung. Das war auch bei kenterndem
Strom Glücksache. Tiedenwechsel erfolgen mit bis zu 6 kn Schwell
( 11 km/h). Mindestschußentfemung waren 200 m, da die Torpedos 2
Sicherungssperren hatten. Ein Propeller maß die Mindestentfernung,
eine Strömungsklappe die Mindestgeschwindigkeit.
Große U-Boote mit Torpedo-Leitanlagen schossen auf 3000 bis 5000
m Entfernung. Heute kann man selbstsuchende Torpedos auf 10 bis
15 km abschießen! Kleinere Torpedos ohne Auf- oder Untertrieb, schnellere
und selbstsuchende Aale - das wär's gewesen! ( Große Boote bekamen
den 'Zaunkönig' (programmgesteuert). Horchtorpedos T5, T11, den
FAT flächenabsuchend, den LUT lagenunabhängig. Blinde Torpedoschüsse
ohne optische Zielerfassung wurden möglich, Drahtlenkung war in
der Erprobung. (Torpedo 'Spinne').
Die Seehunde
bekamen das nicht - sonst wären sie zu einer wirklich gefährlichen,
schwer zu ortende Waffe geworden. So waren sie nur eine 'fleet in
beeing' - ein stumpfes Schwert. Allerdings banden sie feindliche
Sicherungsverbände und hielten diese davon ab, den Rücktransport
der ostpreußischen Flüchtlinge in der Ostsee anzugreifen. Das war
ihr eigentlicher Verdienst - außer den 'Buttertorpedos', die Versorgung
eingeschlossener deutscher Küstenverteidigung. (Der für Seehunde
auch geeignete ferngesteuerte Torpedo 'Spinne' wurde entwickelt,
kam aber nicht mehr zum Einsatz.)
Versenkungen:
9 Handelsschiffe, (18.451 BRT), l Zerstörer ('La Combattante')
Torpediert:
3 Handelsschiffe (18.384 BRT)
Alliierte Abwehr:
500 Fahrzeuge (Boote und Schiffe), 1.500 Flugzeuge (ständig im Einsatz).
Zunächst
waren alle Kleinkampfmittel zur zeitlichen Überbrückung einer kritischen
Seekriegsphase gedacht. Die alten Boote (Typ 7, Typ 9) waren technisch
überholt. Die neuen E-Boote Typen '21' , '23' und die 'Walter-Boote'waren
noch nicht in Serie.
Diese Lücke sollten auch die Seehunde schließen. Eine kaum lösbare
Aufgabe.
Bei nachträglicher
Beurteilung scheiden sich die Geister. Besatzungen, die nicht im
Einsatz waren, sondern nur die Ausbildung in der Lübecker Bucht
durchmachten, Torpedoschüsse nur beim Zielschiff Meteor versuchten,
waren von der Taucherei begeistert, die doch kein Selbstzweck war.
Übernachtungen
auf Schulbooten waren selten. Die Einsatzfahrer an der Front waren
dagegen schnell desillusioniert. Beim 1. Einsatz im Januar 1945
kamen von 18 Booten nur 2 zurück. (Rede eines leitenden Seehund-Ausbilders
bei der Einweihung der Seehund-Gedenktafel in Laboe/Möltenort :'Wer
ist auf die absurde Idee gekommen, dem Führer die Seehunde als Wunderwaffe
anzukündigen?') Nachträgliche Literatur über die Seehunde zeichnet
oft ein zu günstiges Bild, da in der Regel die Autoren den Seehund
nie im Einsatz gefahren sind. Wesentliche Verbesserungen waren in
der Planung, kamen aber nicht mehr zur Ausführung. (Seeteufel, Schwertwal,
Delphin)
Die Einsatzbereitschaft
der Besatzungen - der jungen und der 'alten' (18 bis ca. 25 Jahren)
- blieb ungebrochen bis zur Kapitulation. Trotz ständiger Berieselung
durch die BBC ('British Broadcast-Company') mit Lockungen (Desertation)
und Drohungen ('Morgenthau-Plan'), ging der Dienstbetrieb unverändert
weiter.
Auch in der
Gefangenschaft blieb die Disziplin erhaben, was vom ehemaligen Gegner
respektiert wurde.
In der Deutschen
Bundesmarine gibt es keine Klein-U-Boote mehr. Überhaupt wird sich
die Aufgabenstellung für Unterwasserstreitkräfte stark ändern.
Handelskrieg wird kaum mehr geführt.
Wichtig werden atomwaffentragende, unter Wasser abschießbare Raketen,
schwer zu ortende, außenluft-unabhängige Boote mit hoher Geschwindigkeit,
langer Tauchzeit in großer Tiefe und im flachen Küstenvorfeld.
Waffentechnische
Wissenschaftler arbeiten mit Sicherheit an Weiterentwicklungen bewährter
Unterwasser-Suchsysteme wie 'ASDIC' (Alied Submarine Detection-Investigation-Committee),
Unterwasser-Schallecho-Ortung, Adcockpeiler mit Huff-Duff-Antenne
(High frequenzy-Direction Finding), 3cm Radar, Sonarbojen, Wärme-Ortung
(Heiße Reaktoren der Atom-Uboote) usw.usw. Torpedo- und Minenkonstrukteure
waren schon immer erfindungsreich. Wasserbomben vom Typ 'hedgehog'
und 'squid' werden abgelöst durch von Flugzeugen und Sonarbojen
gesteuerte selbstsuchende Torpedominen.
Der 'submarine-tracking-room' in England hat gezeigt, wie man U-Boote
bekämpft. In anderen Kriegs-Marinen werden sich Klein-Uboote wahrscheinlich
an zivilen Entwicklungen orientieren.
Die neue Art des geräuscharmen Brennstoffzellenantriebs, mit Hybridschaltung,
kalt ohne verräterische Wärmestrahlung, mit schallabweisender Außenhaut,
sensorgesteuerte, automatische Tiefenhaltung, führt zu neuen Möglichkeiten
auch für mittelgroße und kleinere wendige U-Boote mit großen Tauchtiefen.
Sensoren- und Waffenanlagen ermöglichen den Einsatz neuartiger 'Multipurpose'-Torpedos
mit Eigenlenkung (z.B. DM2 A4, auch amerikanische Entwicklungen).
Das aber dürfte GKDos sein.
Ähnliche Entwicklungen sind Verkaufsschlager im deutschen Auslandsgeschäft.
Im U-Bootbau bleibt Deutschland führend. U-Boote der Klasse 212
sind hochmodern und werden von anderen Marinen als zukunftweisendes
komplexes technisches System geschätzt. Das Prinzip der Brennstoffzelle
als elektrochemischer Energiewandler macht das Boot in vieler Hinsicht
sogar den atomgetriebenen Booten überlegen.
Die Antriebsanlage entwickelt kaum Wärme, das Boot ist schwer zu
orten! Die Probleme mit antimagnetischem Stahl hoher Festigkeit
(46 kp/mm2) ohne Rosterscheinungen sind gelöst. Brennstoffzellenantrieb
wird getestet und ständig verbessert. Versuche mit Waltersystemen
wurden allerdings eingestellt. Nicht nur Boote, sondern auch Torpedos
sind damit versuchsweise ausgerüstet worden.
Beginnend
mit den Typen 201 bis 212 geht die Entwicklung weiter mit außenluftunabhängigen
Booten, größeren Tauchtiefen und hohen Geschwindigkeiten. Neue Antriebstechnik,
amagnetischer Stahl, Ortungs- und Waffentechnik beeinflussen neue
Taktiken und erhöhen den Einsatzwert und die Bedeutung der U-Boote
auch im Küstenvorfeld wie in Nord- und Ostsee - also Deutschland.
Der Verbund mit anderen Waffensystemen wird vervollständigt. Simulatoren
an Land intensivieren die Ausbildung. Im 33 m tiefen Tauchtopf kann
die Besatzung mit Tauchrettern das 'Aussteigen' üben.
In den letzten
60 Jahren hat sich die Weltbevölkerung von 2 auf 6 Milliarden erhöht.
Ein kaum beachteter Vorgang. Aber es gibt immer mehr Reibereien,
Feindlichkeiten, Kriege, kleinere und größere 'ethnische Säuberungen',
Rassenkonflikte, Revolutionen mit Bürgerkriegen, demoskopische Wirrungen
ohne globalen Konsens, ohne eindeutige Legislative und Exekutive.
Die Welt steht erst am Anfang großer Auseinandersetzungen. Schwellenländer
besorgen sich ABC-Waffen. Deutschland, Europa darf seine Verteidigungsbereitschaft
- auch auf See - nicht verlieren! Frieden wird zum Gut, das auch
von der U-Bootwaffe zu sichern ist.
Dipl.-Ing.
Hellmuth Bahlmann, Obltn.Ing.d.R.a.D. (verstorben 2004)
25.11.1999 ergänzt 03.01.2000 u. 17.02.2000 |