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Herbert Guschewski berichtet in neuem Buch über
den Untergang des U-Bootes U 869
Von Manfred Jörg
Memmingen
- Wie viel Glück muss ein Mensch haben, um so etwas überleben
zu können?'. Diese Frage stellt sich Herbert Guschewski
seit 60 Jahren. Immer wieder. Auch an einem Tag wie diesem. Während
draußen im sonnendurchfluteten Garten die Vögel zwitschern,
setzt sich der 83-Jährige mit der düsteren deutschen Vergangenheit
auseinander. Und damit auch mit seiner eigenen.

Der 83-jährige
Herbert Guschewski taucht als wichtiger Zeitzeuge in dem neuen Buch
Im Sog der Tiefe auf. Es handelt vom rätselhaften
Untergang eines U-Bootes. Foto: Manfred Jörg
Der gebürtige
Bochumer war nämlich während des Zweiten Weltkriegs U-Boot-Funkmaat.
Wie von unserer Zeitung bereits mehrfach berichtet, gehörte
Guschewski zur Besatzung des U-Bootes U 869. Es sank, wie man heute
weiß, im Jahr 1945 vor der amerikanischen Ostküste. Herbert
Guschewski ist der einzige Überlebende.
Denn er hatte
Glück: Er konnte die letzte Feindfahrt der U 869 nicht antreten,
da er wegen einer Lungen- und Rippenfell-Entzündung im Lazarett
lag. Die Krankheit rettete sein Leben.
Jahrzehnte
lang lag das Schicksal des U-Bootes im Dunkeln. Selbst Marine-Fachleute
gingen davon aus, dass die U 869 vor Marokko gesunken sei. Doch
dann geschah im Jahr 1991 Mysteriöses: Vor der Küste
von New Jersey bleiben Fischer mit ihren Netzen an einem großen
Gegenstand auf dem Meeresgrund hängen. Bald stellt sich heraus:
Es ist ein deutsches U-Boot aus dem Zweiten Weltkrieg, das auf keiner
Liste verzeichnet ist', heißt es in dem neu erschienenen
Buch Im Sog der Tiefe' von Robert Kurson.
Der Rechtsanwalt
aus Chicago hat mehrere Jahre für sein Buch recherchiert. Und
erzählt nun auf 430 fesselnden Seiten die unfassbare Geschichte
des deutschen U-Bootes und seiner 56-köpfigen Besatzung. Er
berichtet ebenfalls über die gefahrenvolle Suche nach der U869,
die heute in 70 Metern Tiefe auf dem Meeresgrund ruht: Bereits drei
Menschen starben bei Tauchgängen zum Unterseeboot.
Als letztes
noch lebendes Mitglied der Besatzung ist Herbert Guschewski seit
Jahren ein gefragter Zeitzeuge. Berichte bei Spiegel TV, Focus oder
beim Bayerischen Rundfunk belegen das. Auch Buch - Autor Kurson
kam extra aus den USA nach Memmingen, um Guschewski zu interviewen.
Die Berichte
des 83-jährigen nehmen nun breiten Raum in dem bereits in Amerika
und Großbritannien erschienenen Buch ein. In seiner Danksagung
am Ende des Buches würdigt Kurson die wertvollen Beiträge
des Memmingers sodann wie folgt: Ein besonderes Dankeschön
geht an Herbert Guschewski, der mir während vieler Stunden
Erinnerungen anvertraute, die ihn seit Jahrzehnten stumm bedrückten.'
Der Schatten
der Vergangenheit liegt nach wie vor auf Herbert Guschewski. Er
kann ihn nicht mehr abschütteln - und will das auch gar nicht.
Denn er will niemals verdrängen, dass ihn eine Laune des Schicksals
zum einzigen Überlebenden der untergegangenen U 869 gemacht
hat.
Das Buch
Im Sog der Tiefe' von Robert Kurson ist jetzt im Verlag
Hoffmann und Campe' erschienen. ISBN: 3-455-09463-5.
© Memminger
Zeitung vom 07.09.2004 |