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Herbert Guschewski war bei Fernseh-Interview in Kiel -
Offene Frage: Wie sank U-Boot U 869?

Kiel/Memmingen (maj).

'Die haben mich gehörig in die Mangel genommen', sagt Herbert Guschewski über die Dreharbeiten in Kiel. Wie von der MZ berichtet, war der 78jährige vom Fernsehmagazin 'Spiegel-TV' in den hohen Norden der Republik eingeladen worden. Zusammen mit einem amerikanischen Filmteam interviewte Spiegel-Journalist Michael Kloft den Memminger Stadtrat. Er ist der einzige Überlebende des gesunkenen U-Boots U 869. Dieses wurde vor kurzem vor der amerikanischen Ostküste entdeckt.

Zur Erinnerung: Wie berichtet, gingen Militärhistoriker 54 Jahre lang davon aus, daß U 869 auf seiner Jungfernfahrt vor Marokko bei einem Seegefecht mit 56 Mann Besatzung versenkt worden war. Doch dann fanden amerikanische Taucher völlig überraschend das deutsche U-Boot vor der Küste von New Jersey. Spiegel-TV drehte darüber eine Reportage. Die U-Boot-Kameradschaft München stellte daraufhin den Kontakt zwischen Herbert Guschewski und den Fernsehjournalisten her.

Denn er ist der einzige Überlebende. Funkmaat Guschewski, der mit einem anderen U-Boot mehrere sogenannte Feindfahrten überstand, war bei der ersten und zugleich letzten Mission von U 869 nicht an Bord, weil er im Lazarett lag.

Weil noch immer nicht restlos geklärt ist, wie das Unterseeboot gesunken ist und warum es vor der US-Ostküste auf Grund liegt, forscht Spiegel-Journalist Kloft weiter. Und darum traf er sich nun auch mit Herbert Guschewski in der U-Boot-Gedenkstätte Kiel-Möltenort. Mehr als drei Stunden wurde der Memminger vor laufender Kamera 'ausgequetscht'. Als Englisch-Dolmetscher fungierte Guschewskis 18jähriger Enkel Frank.

Torpedo-Irrläufer ist plausibel

Der 78jährige Herbert Guschewski erläuterte in Kiel seine Theorie für den Untergang des U-Bootes: 'Ich habe den Journalisten erklärt, daß das Taucherteam unbedingt die Torpedo-Rohre untersuchen muß. Denn wenn ein Geschoß fehlt, bin ich sicher, daß sich U 869 selbst versenkt hat', erzählt Herbert Guschewski. Einen Torpedo-Irrläufer hält er für plausibel. Unwahrscheinlich ist aus seiner Sicht, daß es auf dem U-Boot eine innere Explosion gegeben hat oder daß es von einem amerikanischen Flugzeug oder Schiff versenkt worden ist.

Als das Frage-und-Antwort-Spiel in einem Aufenthaltsraum beendet war, zog das Filmteam mit Guschewski nach draußen um. In der riesigen Gedenkstätte sind Tafeln für 938 versenkte deutsche U-Boote aus dem Ersten und Zweiten Weltkrieg angebracht. Auf den Tafeln stehen die Namen von insgesamt 35252 toten deutschen U-Boot-Matrosen.

Ganz dicht rückte der Kameramann Guschewski auf die Pelle, als dieser eine Gedenkschleife der Kriegsgräberfürsorge an der Gedenktafel für U 869 anbrachte. Der Journalist fragte aus dem Hintergrund: 'Was denken Sie in diesem Augenblick?' Ernst antwortete Guschewski: 'Ich denke an jeden einzelnen meiner Kameraden und an das große Glück, das ich hatte.'

Der Beitrag über die Geschichte von U 869 soll im Herbst im amerikanischen und kanadischen Fernsehen ausgestrahlt werden. Spiegel-TV wird im Januar 2000 senden. Zur Zeit wird darüber beraten, ob die Taucher noch einmal zum U-Boot runtergehen', berichtet Herbert Guschewski.

Wie gefährlich dieser Job ist. zeigt die Tatsache, daß bei der Suche nach dem Unterseeboot bereits drei Taucher ums Leben gekommen sind. Und die Torpedoklappen des total brüchigen U-Boots stecken metertief im Meeresgrund. Deswegen kann es auch nicht geborgen werden. Doch die Suche nach der Wahrheit über U 869 geht weiter.

Ubootehrenmal Möltenort
In der U-Boot-Gedenkstätte Kiel-Möltenort drehte ein Team von 'Spiegel-TV'. An den Mauern (linkes Bild) sind Gedenktafeln für versenkte deutsche Unterseeboote angebracht, auch für U 869. Herben Guschewski aus Memmingen (rechtes Bild) ist der einzige Überlebende des U-Bootes. Er wurde in Kiel mehrere Stunden interviewt.
Fotos: Privat
 
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Letzte Änderung: Mittwoch, 23.01.2008 23:18