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Mit dem U-Boot U 869 taucht auch die schreckliche Vergangenheit wieder auf
Inhalt

Straubinger Zeitung:
Otto Kretschmer

The Independent:
Otto Kretschmer - English

The Times:
Canon R. Lonsdale - English

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 1

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 2

Süddeutsche Zeitung:
Claus Bergen

Süddeutsche Zeitung:
Gerd Kelbling

Donaukurier:
Schiffstransporte

Augsburger Zeitung:
Subhas Chandra Bose

Augsburger Zeitung:
Hermann Wien: Kursk

NRZ:
'H.L. HUNLEY'

Neue Nassauische:
Carl Evans und U 181

Navy News:
Enigma Codes von U 559

Navy News:
Enigma Codes of U 559 - English

Daily Mail:
Commenting the film
U 571 - English

The Orcadian:
U 297 - English

Der Wecker:
Das Ende von FGS U 20

Daily Mail:
New photos discovered
U 564 - English

Kieler Nachrichten:
Kleinkampfmittel Marine

Leinen los:
Über den Seehund

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 3

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 4

Das nächste Kapitel:
Unser Fotoalbum

 

Nach 55 Jahren wird Herbert Guschewski von Kriegserlebnissen eingeholt
Treffen mit US-Reportern

Memmingen/Hamburg/New Jersey

Es war nur ein Anruf, doch danach war nichts mehr wie zuvor: Am Dienstag. 13. April 1999, klingelt bei Herbert Guschewski das Telefon. Er nimmt ab, und am anderen Ende meldet sich Fregattenkapitän Jürgen Weber von der U-Boot-Kameradschaft aus München. Weber kommt gleich zur Sache: 'Haben Sie gestern abend 'Spiegel TV' gesehen?', fragt er Guschewski. 'Nein. warum?', antwortet der völlig überraschte Memminger. 'Sie haben U 869 entdeckt', sagt Weber. Mehr ist nicht nötig. Auf einen Schlag hat die Vergangenheit Herbert Guschewski eingeholt.

Denn der mittlerweile 78jährige war während des Zweiten Weltkriegs Funkmaat auf besagtem deutschen U-Boot. Und es ist wohl kaum übertrieben zu sagen: Der gebürtige Bochumer hat nur durch einen riesigen Zufall überlebt.

Guschewski schildert heute die letzten Monate des im Januar '44 in Dienst genommenen U-Bootes U 869 wie folgt: 'Wenige Tage vor dem Auslaufen aus dem Hafen Stettin erkrankte ich an einer Lungen- und Rippenfellentzündung und wurde deshalb ins Lazarett eingeliefert. U 869 lief wenige Tage später ohne mich in Richtung Norwegen zur ersten Feindfahrt aus.' An diesem Tag ahnte Guschewski noch nicht, daß er seine Kameraden nie wieder sehen würde. Erst nach Kriegsende erfuhr er, daß U 869 am 28. Februar 1945 bei Casablanca vor der marokkanischen Küste mit 56 Mann Besatzung versenkt wurde. Das war die offizielle Version. An die glaubte aber nicht nur Herbert Guschewski. Auch in allen historischen Fachbüchern ging man bislang davon aus.

Doch dann wurde die Spiegel-TV-Reportage ausgestrahlt. Die Sendung dreht sich um ein amerikanisches Taucherteam, das vor der Küste von New Jersey (USA) ein unbekanntes U-Boot entdeckt hatte. Die Taucher waren von Fischern aufmerksam gemacht worden, die immer wieder eigenartige und unerklärliche Risse in ihren Netzen festgestellt hatten.

Innerlich aufgewühlt

Mittlerweile hat auch Herbert Guschewski eine Video-Aufzeichnung der Reportage gesehen. Innerlich aufgewühlt sagt er: 'Ein zweites Mal kann ich es mir nicht mehr anschauen.' Das liegt nicht nur daran, daß bei den Tauchgängen, die zur endgültigen Identifizierung von U 869 geführt haben, drei Taucher ums Leben gekommen waren.

Nein, schlaflose Nächte hat dem 78jährigen der Gedanke bereitet, daß auch er ein Seemannsgrab in 70 Metern Tiefe gefunden hätte. Wenn er, wie geplant, mit U 869 ausgelaufen und nicht 'glücklicherweise' krank geworden wäre.

Ironie des Schicksals: Bereits im April 1943 war Guschewski schon einmal dem Tod von der Schippe gesprungen. U-Boot U 602 war am 6. April vom französischen Mittelmeerhafen Toulon aus zur Feindfahrt ins Seegebiet vor Algerien aufgebrochen. 48 Männer fanden dabei den Tod. Es wäre einer mehr gewesen: Herbert Guschewski, der nur deswegen nicht an Bord ging, weil er zu einem Funkerlehrgang nach Flensburg abkommandiert worden war. Das hat ihm das Leben gerettet.

Und jetzt möchte der Memminger Stadtrat unbedingt mithelfen, die wahre Geschichte von U 869' zu schreiben. Deswegen fährt er am heutigen Samstag zunächst nach Hamburg, dann nach Kiel. Dort trifft er sich mit dem amerikanischen Taucherteam sowie mit amerikanischen Reportern und denen von Spiegel-TV.

Sie alle waren ganz wild auf Guschewski, als sie über Fregattenkapitän Weber erfahren hatten, daß es einen 'Überlebenden' der  U869-Besatzung gibt. Zusammen wollen sie nun den Grund für die Versenkung des U-Bootes erforschen. Und vor allem möchten sie endgültig klären, warum es vor der amerikanischen Ostküste und nicht - wie bisher angenommen - vor Marokko sank.

Vergessen? Nicht möglich!

Ob er mit den Tauchern und den Reportern auch nach Amerika fliegen wird. weiß Herbert Guschewski noch nicht. Falls nicht, hätte der Memminger Beauftragte der Kriegsgräberfürsorge einen Herzenswunsch: 'Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn die Taucher noch einmal runtergingen und eine Gedenkschleife für unsere toten Kameraden am U-Boot befestigten' Vergessen hat Herbert Guschewski diese Männer nie. Und wenn er es auch gewollt hätte: Spätestens seit dem Anruf vom 13. April 1999 ist das nicht mehr möglich.

Manfred Jörg

U 869 und Herbert Guschewski
Unser großes Bild zeigt die U 869 bei der offiziellen Indienstnahme am 26. Januar 1944 in Bremen. Auf dem kleinen Bild ist der junge Funkmaat Herbert Guschewski zu sehen, der nur durch Zufall auf diesem U-Boot nicht in den Tod fuhr.

Fotos: Privat

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Letzte Änderung: Mittwoch, 23.01.2008 23:18