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Bad Camberg.
Einen ganz besonderen Tag erlebte Carl Evans aus Texas in dieser
Woche. Der 32-jährige Amerikaner traf auf die U-Bootbesatzung, die
das Schiff seines Großvaters im zweiten Weltkrieg versenkt hatte.
Doch wie kam dieses Treffen der unterschiedlichen Nationen und Generationen
zu Stande? Eigentlich hatte die Geschichte ganz simpel angefangen.
Eines Abends im September letzten Jahres hatte es sich Susanne Giehler
aus Konstanz am Bodensee an ihrem PC bequem gemacht, um noch ein
wenig im Internet zu surfen. Die junge Frau ist schon seit vielen
Jahren von U-Booten aller Art schlichtweg fasziniert, und so stieß
sie nach wenigen Mausklicks auf die Homepage der U-Bootkameradschaft
München. Dort entdeckte sie einen interessanten Eintrag, der sie
sofort in seinen Bann zog. Carl Evans, ein junger US-Staatsbürger
aus Texas, berichtete dort vom Schicksal seines bereits 1969 verstorbenen
Großvaters. Wie Evans erfahren hatte, war sein Ahne Kapitän der
'SS Fort Lee', die 1944 im Indischen Ozean von einem U-Boot versenkt
worden war. Die Besatzung konnte sich vollzählig in die Rettungsboote
begeben, und die Männer erhielten sogar von der Besatzung von U
181 Zigaretten, Lebensmittel und eine Signalpistole. Der Enkel des
Kapitäns war nun auf der Suche nach der Besatzung des U-Bootes,
um ihr für die ritterliche Behandlung seines Großvaters und seiner
Mannschaft zu danken. Gemeinsam mit Susanne Giehler machte sich
Carl Evans auf eine weltweite Suche.
Das U-Boot 'U 181' gehörte zur Klasse der großen U-Boote mit
65
Mann Besatzung. Das Bild aus dem Jahr 1943 zeigt die
Unteroffiziere
nach einer siebenmonatigen Feindfahrt im Stützpunkt
Bordeaux. Walter
Schmid aus Camberg nahm auch an dieser Fahrt teil.
Diese Woche
war es dann endlich soweit: Knapp ein Jahr nachdem der Texaner seine
große Suchaktion mit Hilfe und Unterstützung von Susanne Giehler
gestartet hatte, trafen sich Evans, Giehler und ein Teil der Besatzung
mit deren Angehörigen von U 181, dem Boot, das die 'Fort Lee' im
November 1944 versenkte, im Bad Camberger Hotel 'Haus Pohl'. Die
Situation war für alle Beteiligten wohl zunächst überwältigend und
natürlich auch unglaublich. Knapp 56 Jahre nach dem Angriff standen
die Männer plötzlich einem Nachkommen des damaligen Tankerkapitäns
gegenüber Und dieser junge Mann hegte keinerlei Rachegefühle, wie
zunächst befürchtet. Er war extra aus Texas angereist, um der Mannschaft
für ihr Verhalten gegenüber seinem Großvater danke zu sagen. Die
Männer von U 181 fühlten sich berührt und geehrt, und sofort kam
man miteinander ins Gespräch, alte Erinnerungen kamen hoch. Keinerlei
Distanz zwischen dem jungen Amerikaner und Susanne Giehler einerseits
und der doch etwas betagten Mannschaft der U 181 war zu spüren -
vielmehr entstand sofort eine Freundschaft, die Schule machen sollte.
Denn selbst
heute, mehr als 55 Jahre nach den Ereignissen, kursieren noch immer
viele Gerüchte um den deutschen U-Boot-Krieg, die ein völlig falsches
Bild von dieser Zeit vermitteln, teilte der 77-jährige Dieter Hille,
einer der Besatzungsmitglieder, mit. Dabei werde die menschliche
Seite, das, was die Beteiligten hautnah fühlten und erlebten, oftmals
überhaupt nicht beleuchtet. Im Namen der Völkerverständigung und
des Friedens auf der Welt ist es Carl Evans, Susanne Giehler, der
Besatzung der U 181 und deren Angehörigen gelungen, die Erlebnisse
von damals von der menschlichen Perspektive her zugänglich zu machen.
Und damit haben sie ein Zeichen gesetzt, wieder aufeinander zuzugehen,
und vor allem die emotionale Seite der oftmals brutal, grausam und
Furcht erregend dargestellten Kriegserlebnisse nicht in Vergessenheit
geraten zu lassen. Es wäre schön, wenn dieses Beispiel Schule machen
würde und aus Feinden in der Vergangenheit Freunde in der Zukunft
werden. (sal)

Carl Evans
(rechts) und Susanne Giehler (zweite von links)
trafen sich
nach
einer einjährigen Suchaktion mit der Besatzung
der U 181
und deren
Angehörigen. Foto: Sahl
Auch unser Kamerad Günther Bartussek
nahm an diesem Treffen teil. Seine Adresse wurde von uns zur Kontaktaufnahme
an Carl Evans gegeben.
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