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Der SEEHUND - die letzte Initiative der Seekriegsleitung
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Inhalt

Straubinger Zeitung:
Otto Kretschmer

The Independent:
Otto Kretschmer - English

The Times:
Canon R. Lonsdale - English

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 1

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 2

Süddeutsche Zeitung:
Claus Bergen

Süddeutsche Zeitung:
Gerd Kelbling

Donaukurier:
Schiffstransporte

Augsburger Zeitung:
Subhas Chandra Bose

Augsburger Zeitung:
Hermann Wien: Kursk

NRZ:
'H.L. HUNLEY'

Neue Nassauische:
Carl Evans und U 181

Navy News:
Enigma Codes von U 559

Navy News:
Enigma Codes of U 559 - English

Daily Mail:
Commenting the film
U 571 - English

The Orcadian:
U 297 - English

Der Wecker:
Das Ende von FGS U 20

Daily Mail:
New photos discovered
U 564 - English

Kieler Nachrichten:
Kleinkampfmittel Marine

Leinen los:
Über den Seehund

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 3

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 4

Das nächste Kapitel:
Unser Fotoalbum

 

Zurück nach 56 Jahren
Von Wolfgang Henze

Es dürfte am 7. April 1945 gegen acht Uhr abends gewesen sein, als sich Obermaschinist Artur Schmidt auf den schmalen Sitz des Leitenden Ingenieurs von U-5363 zwängte. Eingequetscht zwischen Steuerknüppel, Hauptanblasventil und Handlenzpumpe, zusätzlich eingeengt durch das starre 'Lederpäckchen' und einiger Lagen Extra-Unterbekleidung war er damit für die nächsten Tage zu beinahe vollkommener Bewegungslosigkeit in der engen Stahl-Röhre verdammt. Nachdem Kommandant Harro Buttmann seinen Platz im Turmluk des Zwei-Mann-U-Boots besetzt hatte und die Vorleine ins schmuddelige Hafenwasser fiel, legte U-5363 von der Betonpier ab. Keine große Abschiedszeremonie, nur ein paar Kameraden winkten an diesem kalten Winterabend des letzten Kriegsjahres hinterher.

U-Boot Typ XXVII B5 - Seehund
U-Boot Typ XXVII B5
SEEHUND

Wenige Minuten später passierte das Boot mit langsamer Fahrt die Seeschleuse und war damit in der Nordsee auf sich allein gestellt. Die Aussicht lebend zurückzukehren war nicht gut für die zwei jungen Männer. Kein Funk, kein Sonar, selbst zum alltäglichen Leben fehlte das Nötigste. Nicht mal eine Toilette gab es an Bord, stattdessen 'schlackenfreie Sonderkost', aber drei, vier Tage Einsatz in See und 165 Meilen (ca. 3 00 Kilometer) Transit bis in das Operationsgebiet waren befohlen. 'Versorgungskonvois vor Dover angreifen' lautete ihr Auftrag.

142 Kriegs-Einsätze

Mit dem Ablegen von U-5363 begann einer von insgesamt 142 Krieg-Einsätzen dieser Mini-U-Boote vom niederländischen Stützpunkt Ijmuiden aus, dem kleinen Seehafen in der Nähe Amsterdams.
Den beiden Marinesoldaten wird sogar einer der größten Erfolge dieser Waffe zugeschrieben, denn höchstwahrscheinlich wurden bei diesem Einsatz die Frachter SAMIDA und SALOMON JUNEAU dicht unter der englischen Küste vor Dungenes versenkt. Aber auch Harro Buttmann und Artur Schmidt bezahlten den Einsatz mit dem Leben.
In den frühen Morgenstunden des 10. Aprils versenkte das britische U-Jagdboot M. L. 102 das kleine Tauchboot 12 Seemeilen östlich von Dover durch einen Wasserbombenangriff. Die Leiche des Leitenden Ingenieurs trieb durch die gesamte Nordsee und verfing sich im August 1945 im Netz eines Fischers vor der Insel Föhr. Leutnant zur See Harro Buttmann fand seine letzte Ruhestätte auf dem großen Soldatenfriedhof von Ijsselstein in den Niederlanden.

Stiefel, Schlauchboot, Thermosflaschen - die Ausrüstung der toten Besatzung
Stiefel, Schlauchboot, Thermosflaschen - die Ausrüstung der toten Besatzung

Letzte Initiative

Bereits im Angesicht des Untergangs begann Ende '44 die letzte Initiative der Kriegsmarine mit dem Bau und Einsatz der SEEHUNDE und anderer Kleinkampfmittel. Technisch-logistisch unfähig zum Bau großer U-Boote, von deren erfolgversprechendem Einsatz ganz abgesehen, versprach sich die deutsche Seekriegsleitung vom Einsatz dieser Mini-U-Boote zumindest Präsenz auf dem nassen Schlachtfeld Nordsee und im Englischen Kanal. Die Admiralität kann sich durch diese technisch unausgereiften Kleinkampfmittel mit ihren blutjungen und teilweise unzureichend ausgebildeten Besatzungen kaum wesentliche taktische Erfolge oder gar operative Einflussnahme auf das Ende des 2. Weltkriegs versprochen haben. Die Demonstration operativer Aktivitäten durch die Seekriegsleitung gegenüber der Reichsführung war wohl ein weiterer Aspekt dieser Waffensysteme.
Darum ist auch die Einschätzung dieser Boote und ihrer Besatzungen bei Historikern geteilt. Die Schrecken dieser Einsätze, aber auch die physischen und psychischen Anforderungen an die Besatzungen, von denen etwa 110 den nassen Tod gefunden haben, sind im Mai des Jahres bei Fehmarn erneut sichtbar geworden.

Klaus Mattes, SEEHUND-Spezialist und Buch-Autor.
Klaus Mattes, SEEHUND-Spezialist und Buch-Autor.

Schnelle Bergung

Am 11. Mai hob der Marine-Schwimmkran HIEV 2,6 Seemeilen (ca. 4,3 Kilometer) südöstlich von Großenbrode einen nahezu unbeschädigten SEEHUND aus zwölf Metern Wassertiefe. Nur wenige Tage zuvor hatte das Vermessungsschiff DENEB das kleine U-Boot bei einer Steinfelduntersuchung entdeckt. Erstmals gelang damit die Bergung eines nahezu unbeschädigten SEEHUNDS, noch bevor 'Sporttaucher' Ausrüstungsgegenstände als Devotionalien entwenden konnten. Das war in diesem Fall um so dringlicher, da die SEEHUND-Besatzung das Boot vor dem Untergang nicht hatte verlassen können.
Eberhard Schmiel, der schon vor zwei Jahren die Bergung und Restaurierung des jetzt im Wilhelmshavener Marinemuseum ausgestellten SEEHUNDS organisierte, wurde umgehend durch die Behörden eingeschaltet, und nahm sich auch dieses neuen Fundes an.

Eberhard Schmiel - schon die zweite Bergung.
Eberhard Schmiel - schon die zweite Bergung.

Untersuchung
Aufgebockt auf provisorischen Pallungen, durch eine weiße Zeltplane vor Witterungsunbilden geschützt, steht der rostige SEEHUND an einer Seitenstraße des Kieler Marinearsenals. Gegenüber, in einem der Schwimmdocks, steht ein zweiter, der wurde bereits vor einigen Wochen in der Nähe vom Darsser Ort gehoben und soll später in Dresden ausgestellt werden. Am Tag zuvor hatten Bestatter in Zusammenarbeit mit Kriminalpolizei und Staatsanwaltschaft die sterblichen Überreste der Besatzung aus ihrer verrosteten Grabstätte geborgen.
Eberhard Schmiel und Klaus Mattes, SEEHUND-Spezialist und Fachbuchautor, machten sich anschließend daran, das Boot zu reinigen, die Ausrüstung zu dokumentieren, insbesondere aber nach den Erkennungsmarken der beiden toten Marinesoldaten zu suchen. Weder die Identität des Bootes noch die seiner Besatzung konnte bislang aber festgestellt werden. 'Vermutlich bei einer Ausbildungs- oder Verlegungsfahrt im Frühjahr 1945 gesunken,' meint er, hält aber weitergehende Prognosen für reine Spekulation. 'Sicherlich war es aber keine Feindeinwirkung, vielleicht ein Sauerstoffunfall oder eine Leckage', fügt er dennoch an. Dass sich die Schwimmweste des Kommandanten hinter einem Ventil verhakt hatte, mag als Indiz gelten, warum die Besatzung das Boot nicht verlassen konnte.

Geborgen vor Darsser Ort - vorgesehen für das Militärmuseum in Dresden
Geborgen vor Darsser Ort - vorgesehen für das Militärmuseum in Dresden


Bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs wurden 285 SEEHUNDE gebaut. Davon kamen etwa 70 zum Front-Einsatz nach Ijmuiden. Der Rest blieb in der Ostsee. Teilweise zur Ausbildung der Besatzungen genutzt, waren andere technisch nicht einsatzklar oder konnten aufgrund der Kriegssituation nicht zum Frontstützpunkt in die Niederlande überführt werden.

Nach 56 Jahren - fast unbeschädigt
Nach 56 Jahren - fast unbeschädigt

Wie schon vor zwei Jahren, strebt Eberhard Schmiel auch diesmal die Restaurierung des Bootes an, um dieses dann in einer Sammlung oder einem Museum der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. 'Erste Gespräche sind auch schon geführt worden', sagt er dazu. 'Vordringlich ist aber jetzt, die Identität der Besatzung festzustellen, um sie würdig beerdigen zu können', legt Eberhard Schmiel seine Prioritäten deutlich fest.

Wolfgang Henze

U-Boot Typ XXVII B5
SEEHUND

Besatzung:
2 Mann
(Kornmandant und Leitender Ingenieur)

Abmessungen:
Länge über alles: 11,87 m
Breite: 1,84 m
Tiefgang: 1,85 m
Unterwasserverdrängung mit Torpedos: 16,98m3
Konstr. Tauchtiefe: 30 m

Antrieb:
Büssing-NAG LD 6 Dieselmotor, 60 PS
E-Maschine: AW 77-Nebenschlussmotor, 25 PS E-Kapazität 1600 Ah max.

Fahrleistungen:
Dieselmotor ca. 270 sm bei 7.7 Knoten
E-Maschine
ca. 15 sm bei 6 Knoten/
60 sm bei 2,2 Knoten

Bewaffnung:
2 elektrische Torpedos T III c,
Laufstrecke 4000 m bei 18,5 Knoten

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Letzte Änderung: Mittwoch, 23.01.2008 23:18