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Nach
der Entdeckung der beiden 'Seehunde' in der Ostsee hat
Autor Egbert Thomer für die Seekiste einen Bericht über
deutsche Kleinkampfverbände im 2. Weltkrieg zusammengestellt
Von
Egbert Thomer
1943
übten die Alliierten die absolute Luftherrschaft über
Europa aus. Selbst geringste Bewegungen wurden sofort erfasst und
bekämpft. Besonders gefährdet war der gesamte See- und
Küstenbereich bis hinauf nach Pillau. Unter diesen Vorzeichen
griff die Seekriegsleitung (SKL) den Weichold-Plan von Ende 1942
auf, der die schnelle Schaffung schlagkräftiger Kleinkampfverbände
beinhaltete. Vizeadmiral Weichold war seinerzeit deutscher Marinebefehlshaber
in Italien. Im April 1943 nahm er die Planungsarbeiten auf, so dass
ein Jahr später das Kommando der Kleinkampfverbände unter
Vizeadmiral Hellmuth Heye etabliert werden konnte. Es begann mit
40 Freiwilligen aller Laufbahnen. Auf dem Großen Plöner
See und in der Neustädter Bucht lernten sie ihr neues Kampfgerät
kennen.
Da
gab es die 5,50 Meter langen 'Linsen', die von einem 95-PS-Motor
auf 35 Knoten gebracht wurden. Eingesetzt wurden diese Sprengboote
in Dreier-Rotten (jeweils zwei Angriffsboote und ein Kommando-Boot).
Der 'Pilot' des Angriffsbootes sprang kurz vor Erreichen
des Zieles über Bord und wurde dann vom Führerboot aufgenommen.
So sah es jedenfalls die Angriffskonzeption vor.
Unter Federführung der Torpedoversuchsanstalt entstand das
Waffensystem 'Neger'; entwickelt von Marinebaurat Mohr.
Er schlug vor, zwei Standard-Torpedos des Typs G7/e miteinander
zu verbinden. Im oberen 'Aal' saß der Pilot, geschützt
durch eine Glas-Kuppel (mit Atemmaske und Kalipatronen-Luftaustauscher),
vor sich ein primitives Kimme-Korn-Visier. Im Fang hielt er den
Angriffstorpedo, der aus günstiger Position losgelassen wurde.
Insgesamt gab es 200 dieser Geräte, die im April 1944 im Großraum
Anzio-Nettuno ihre Feuertaufe bestanden. Am 5. Juli griffen 30 'Neger'
an. Die Matrosen-Gefreiten Berger und Gerhold versenkten dabei je
einen Hochsee-Minensucher. Oberfähnrich zur See Karl-Heinz
Potthast beschädigte den polnischen 5000-Tonnen-Kreuzer 'Dragon'
am 8. Juli 1944 in der Seine-Bucht so schwer, dass er aufgegeben
werden musste.

Träger-Torpedo
'Neger', gebaut von der AG Weser.
Foto TH-Archiv
Weiteren
'Neger'-Attacken im Seine-Gebiet fiel der britische Zerstörer
'Isis' (Baujahr 1936/37; 1930 ts) zum Opfer.
Von der Lübecker Flenderwerft war inzwischen das Einmann-U-Boot
'Biber' entwickelt worden. Es maß 9,04 Meter, wog
6,3 Tonnen und konnte 32 Meter tief tauchen. Sein Antrieb leistete
32 PS. Die K-Flottille 216 setzte ihre Boote von Fécamp aus
ein. Am 30. August versenkten sie einen Transporter und ein größeres
Landungsschiff.

Kleinst-U-Boot
Biber - ein Mann und zwei Torpedos.
Foto TH-Archiv
Die
'Biber'-Einsätze litten unter einem schweren Handicap,
drangen doch giftige Gase des eigenen Benzinmotors in den Fahrerraum
mit entsprechenden Folgen.
Im Winter 1944/45 diente Rotterdam als Absprunghafen der K-Flottille
261, die in der Scheldemündung eingesetzt wurde. Der 'Molch'
trat als Weiterentwicklung des 'Biber'-Konzepts auf den
Plan.
Als Zweimann-Boot bewährte sich der 'Seehund', der
von sechs Werften gebaut wurde. Das 14-Tonnen-Boot erreichte Tiefen
bis zu acht Meter. Seine Bewaffnung bestand aus zwei Torpedos. Die
Unterwassergeschwindigkeit lag bei sechs Knoten. Boote des K-Verbandes
drangen sogar bis in die Themsemündung vor und versenkten dabei
das freifranzösische Torpedoboot 'La Combattante'
sowie mehrere Transporter. Nach Agentenmeldungen hielt sich das
sowjetische Schlachtschiff 'Archangelsk' (ex. britisch
'Royal Sovereign') im Kola-Fjord auf. Von der SKL wurden
darauf drei VII-C-U-Boote (U 295, U 716 und U 739) gegen das Schlachtschiff
eingesetzt. Sie trugen je zwei 'Biber' an Oberdeck, die
vor der Fjord-Einfahrt abgesetzt werden sollten, um einen möglichst
kurzen Anmarschweg zum Ziel zu haben. Im letzten Augenblick traten
auf den Huckepack-Booten technische Störungen auf, die den
Einsatz unmöglich machten.
Im Februar 1945 versenkte eine 'Seehund'-Crew (Lt. z.
S. Wolter und Lt. z. S. Minetzki) vor Great Yarmouth einen 3000-Tonner.
Im Kanal errangen Seehunde weitere Erfolge (neun Schiffe mit 18
451 BRT). Ab April 1945 hatte die K-Flottille andere Aufgaben zu
erfüllen, sie versorgte das eingeschlossene Dünkirchen
mit Nahrungsmitteln und nahm auf dem Rückweg Post in die Heimat
mit. . .
Für die Kleinkampfverbände der Kriegsmarine wurden 1943
bis 1945 zahlreiche Sondergeräte entwickelt, von denen jedoch
der weitaus größte Teil keine Frontreife mehr erreichte.
Zum Einsatz gelangten rund 324 Kleinst-U-Boote des Typs 'Biber',
200 Trägertorpedos 'Neger', 30 Sprengboote 'Linse'.
Die Daten:
Kleinst-U-Boot 'Biber':
AG. Weser, 6,3 ts, 9,04 Meter lang, 32 PS-Benzinmotor, 6,5 Knoten
ü. W, Tauchtiefe bis zu 20 m, zwei Torpedos seitlich am Rumpf,
Besatzung: Ein Mann.
Träger-Torpedo 'Neger':
AG. Weser, 5 ts, 7,65 m lang, 12 PS E-Motor, 4,2 Knoten ü.
W, einen Torpedo unter dem Rumpf, Besatzung: Ein Mann. Verbesserte
Anschlusstypen:
'Marder', 'Hai'.
Kleinst-U-Boot 'Molch':
Flender-Werft Lübeck, 11 ts, 13 PS E-Motor, 4,3 Knoten ü.
W; zwei Torpedos seitlich am Rumpf, Besatzung: Ein Mann.
Amphibien-Kleinst-U-Boot 'Elefant':
30 ts, 14,10 m lang, 250 PS-Diesel, 10 Knoten ü. W, Gleisketten-Fahrgestell,
zwei Torpedos, oder vier Minen oder einen Flammenwerfer.
Zwei Mann Besatzung.
Versuchsbau der TVA-Eckemförde. Sprengboot 'Linse':
1,8 ts, 5,75 m lang, 95 PS, 35 Knoten.
Sprengladung 300 bis 400 Kilo, Holzbau, Einsatz in Dreiergruppen.
Weitere
Projekte ohne Einsatzreife waren: Kleiner Delphin, Großer
Delphin, Schwertaal, Seedrache, Hydra, Kobra, Wal, Tornado, Schlitten.
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