Nutzen Sie unsere webinterne Suchmaschine! Erlebnis- und SachberichteZu unserem Kontaktformular
Zurück zur StartseiteÜbersicht über ErlebnisberichteÜbersicht über SachberichteÜbersicht über Reportagen und Zeitungsberichte
Seeschlachten aus dem Isarwinkel

 AUS DEM BAYERISCHEN OBERLAND
Freitag, 05. Juni 1964

Inhalt

Straubinger Zeitung:
Otto Kretschmer

The Independent:
Otto Kretschmer - English

The Times:
Canon R. Lonsdale - English

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 1

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 2

Süddeutsche Zeitung:
Claus Bergen

Süddeutsche Zeitung:
Gerd Kelbling

Augsburger Zeitung:
Subhas Chandra Bose

Augsburger Zeitung:
Hermann Wien: Kursk

NRZ:
'H.L. HUNLEY'

Neue Nassauische:
Carl Evans und U 181

Navy News:
Enigma Codes von U 559

Navy News:
Enigma Codes of U 559 - English

Daily Mail:
Commenting the film
U 571 - English

The Orcadian:
U 297 - English

Der Wecker:
Das Ende von FGS U 20

Daily Mail:
New photos discovered
U 564 - English

Kieler Nachrichten:
Kleinkampfmittel Marine

Leinen los:
Über den Seehund

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 3

Memminger Zeitung:
U 869 - Teil 4

Das nächste Kapitel:
Unser Fotoalbum

 

Besuch bei dem Marinemaler Claus Bergen / Nelsons Flaggschiff als Präsent für Kennedy

LENGGRIES - Die altmodischen Bücherschränke im Atelier sind vollgepfropft mit maritimer Literatur. In einer Ecke hängen die Fahne eines Torpedobootes der kaiserlichen Kriegsmarine und Signalflaggen von erbeuteten englischen Fischdampfern. Auf großen Staffeleien stehen überdimensionale Seebilder. Sie zeigen Wikingerschiffe. brennende Schlachtkreuzer und Unterseeboote. Auf dem Schreibtisch stehen bunte Topfe mit Dutzenden von Pinseln und Photographien von Kaiser Wilhelm II. und Admiral Scheer. Daneben liegt ein Stapel von Briefen aus Amerika.

Seit die amerikanische Zeitschrift Life vor einigen Wochen einen Bericht über den Seekrieg mit Monumentalbildern des deutschen Marinemalers Claus Bergen illustrierte, wird dieser in seinem Haus im Isarwinkel von einer Briefwelle aus Übersee förmlich überschwemmt. Die Absender, vornehmlich Offiziere, Juristen und Ärzte, bestellen historische Seekriegsbilder 'Aber sechs Meter lange und vier Meter hohe Bilder male ich heute nicht mehr' sagt der Maler-Professor.

Zwei Wandgemälde dieses Ausmaßes hat er 1926 im Auftrag Oskar von Millers für die Schiffahrtshalle des Deutschen Museums in München komponiert, Bilder von der Schlacht von Salamis bis zum Polarschiff von Drigalski und der Schlacht im Skagerrak. Diese Kolossalgemälde sind im letzten Krieg zerstört worden. Weitere sechs Bilder für das geplante U-Boot-Ehrenmal in Berlin, die im Münchner Haus der Kunst hingen, haben die Amerikaner als Kriegsbeute mitgenommen und damit die Messen ihrer Marineschulen ausgeschmückt.

Claus Bergen ist den Amerikanern deswegen nicht böse. Er hat sogar, kurz vor dem Attentat von Dallas, dem Präsidenten Kennedy ein Bild von Nelsons Flaggschiff 'Victory' geschenkt. Auch dem Prinzen Philipp, dem Gemahl der englischen Königin wollte er ein Bild schicken. Da aber die Mitglieder des englischen Königshauses keine Privatgeschenke annehmen dürfen, überließ Bergen das Gemälde der britischen Admiralität.

'In Deutschland kann man solche Bilder gar nicht herschenken Fast kein Mensch weiß mehr, wo ich lebe und ob ich überhaupt noch lebe', klagt der 79jährige Professor; Als Strauß noch Verteidigungsminister war, schrieb ihm Bergen einen Brief mit der Bitte, die Bundeswehr möge Seebilder kaufen. Strauß antwortete, dafür habe er kein Geld. 'Nur in der Marineschule Mürwik hängen noch fünf Bilder von mir', erinnert sich Bergen.

Er war schon berühmt, als er noch nicht dreißig war. Das Talent zum Malen hat Claus Bergen von seinem Vater geerbt, der künstlerischer Leiter der Gartenlaube war. Vier Wochen nach seiner Geburt in Stuttgart kam Bergen nach München, wo er als Schüler der Akademie zunächst Menschen, Häuser, Hühner und eine Fronleichnamsprozession in Südtirol malte. Außerdem illustrierte er 28 Bände von Karl May. Nach einer Studienreise in englische Fischerdörfer in Cornwall entschloß er sich, nur noch Wasser und Schiffe zu malen. 'Diese Motive kann ich einfach nicht mehr über Bord werfen', sagt Bergen. 'Nur gelegentlich machte er Seitensprünge mit dem Pinsel So malte er die Dreidecker-Staffel von Richthofen. 'Flugzeugträger interessieren mich nicht. Das sind keine Schiffe, sondern schwimmende Kasernen.'

In den beiden Weltkriegen betätigte sich Bergen, der nie Soldat war, 'auf eigenen Wunsch und eigene Verantwortung' als Marinemaler. 'Aber ein Propagandamaler bin ich nicht. Goebbels hat von mir zweimal einen Korb bekommen.' Claus Bergen war 'Badegast' auf über 50 Kriegsschiffen. Da er dabei nur kleinere. Gefechte miterlebte, studierte er Kriegstagebücher, Pläne und Karten und interviewte Dutzende von Augenzeugen. Die realistische Darstellung von krepierenden Granaten und Einschlägen lernte er als Augenzeuge von Scheibenschießen der Marine. Er hat viele Schiffe gemalt, die er nie gesehen hatte. Er meint dazu: 'Menzel hat ja auch keinen Friedrich den Großen gesehen.'

Mit Stolz erinnert sich Bergen an das Jahr 1918, als eine große Ausstellung seiner Werke im Münchner Glaspalast zu sehen war. 'Damals habe ich König Ludwig III. persönlich herumgeführt. Die Ietzte Kollektion seiner Bilder hat Bergen vor etwa zehn Jahren gezeigt, als er noch Mitglied der königlich-privilegierten Münchner-Künstlergenossenschaft von 1868 war. Zwischen den beiden Weltkriegen wurden seine Bilder in München, Nürnberg, Augsburg, Hannover, Laboe, Berlin, Kiel, Wllhelmshaven, Flensburg, Brooklyn, Barcelona, Amsterdam, Chicago, Buenos Aires, New York und Paris gezeigt.

Professor Bergen weiß nicht, wie viele Seebilder er gemalt hat. 'Ein paar tausend sind's bestimmt', überlegt er. Allein von der Skagerrak-Schlacht, die sich am 31. Mai zum 48. Mal jährte, entstanden einige hundert. Admiral Hipper, der in Weilheim begraben ist, hatte nach der Schlacht die deutsche Flotte 'streng geheim noch einmal auslaufen lassen, nur damit Bergen seine Bilder malen konnte.

Carl Hupfer

Download Artikel downloaden!
Zurück
Weiter
Inhalt von Berichte Zum Seitenanfang | über uns | Literatur | Berichte | Fotos | Galerie | Service | English |

UK München 1926
Letzte Änderung: Donnerstag, 22.12.2011 1:28