von
Hermann
Wien, Augsburg
Mitglied
der UK München
Zuletzt
hing das Schicksal von Besatzung und Boot allein von der technischen
Führung und vom Können des Maschinenpersonals ab!
Der
Krieg hatte kaum begonnen, als für so manchen damaligen U-Bootfahrer
die Stunde schlug, sein Boot zu verlassen, auf welchem er immerhin
2 - 3 Jahre gefahren war. All die Betroffenen erhielten damals wohl
den gleichen Marschbefehl, nämlich zur U-Flottille Wegener'
- später 7. U-Flottille - nach Kiel. Das war zu Beginn des Monats
September 1939. Um was es ging, beschäftigte jeden doch wohl sehr
- lange jedoch dauerte diese Ungewißheit nicht.
Wir
alle bildeten eine neue U-Bootsbesatzung, für ein in Kiel auf der
Germania-Werft fertiggestelltes Boot. Es handelte sich um den U-Bootneubau
'Batiray' ursprünglich vorgesehen, für die Türkei. Im
Jahre vorher gab es bereits ein Vorgängerboot, die 'Saldiray',
welches noch an die Türkei abgeliefert wurde. Für diesen zweiten
Neubau jedoch, verfügte die Seekriegsleitung, daß er damals unserer
noch kleinen U-Bootswaffe einverleibt wurde. Unsere Besatzungsstärke
belief sich auf 41 Mannschaften, 4 Offiziere und 1 Oberassistenzarzt.
Unser
Kommandant war der damalige KptLt. Hans Cohausz. Der L.I. war KptLt.-Ing.
Teichmann, in späteren Kriegsjahren technischer AusbiIdungsleiter
der AGRU-Front. I W0 war OLt.z.S. Staats, II WO Lt.z.S. Baberg,
III W0 Lt.z.S. der Reserve Robi Metz. Unser Oberassistenzarzt war
Dr. Helmut Richter aus Villach/Kärnten.
Es
war wohl die Absicht des U-Boot-Personalbüros, daß sich für diese
Besatzung in der Hauptsache schon erfahrene U-Bootsleute zusammenfanden.
Ich war damals bereits 2 Jahre - zuletzt als Ob.Msch.Mt. auf den
Booten 'U 2' und 'U 7' bei der Unterseeboots-Schulflottille
in Neustadt/Holstein - gefahren. So kamen die meisten Kameraden
von den Booten der Kieler Flottillen Weddigen, Lohs, Emsmann, aber
auch welche von der Nordsee.
Wie
sich später bewahrheitete, so waren wir, wenn man es so nennen will,
eine gute Crew. Die war auch erforderlich, denn auf diesem Boot
war vieles anders und was auf uns zukam, konnte keiner erahnen.
Bereits
am 20. September 1939 stellten wir in Dienst. Da es ein Boot 'außer
der Reihe' war, erhielt es keine Nummer, sondern einfach die
Bezeichnung 'U-A'. Wir eröffneten also den Reigen mit
den 'Buchstabenbooten'. Unser Kommandant sorgte auch für
unser künftiges Bootswappen, nämlich den 'Optimist', ein
hoffnungsvolles Zeichen
Rein
äußerlich wich das Boot doch sehr wesentlich von unseren Booten
ab. Das 10,5-cm-Geschütz in gleicher Höhe der Turmplattform bildete
mit dem Turm eine Einheit. Die Geschützverkleidung war als Ganzes
mit dem Geschütz drehbar. Eine vorteilhafte Einrichtung, ein guter
Schutz für die Geschützbedienung bei schwerer See. Die Brücke hatte
damals bereits einen großen 'Wintergarten', so daß bei
der Indienststellung die gesamte Besatzung darauf Platz fand. Ein
weiterer Unterschied war die lange geschwungene Back, das breite
Oberdeck und die Bootslänge von fast 87 m. 'U-A' war ein
Zweihüllenboot mit größeren Tauchzellen und Bunkern, eben der Bootslänge
entsprechend. Damals war es das größte Boot der U-Bootswaffe, auch
tonnagemäßig. Der Druckkörper war nicht wie bei unseren Booten geschweißt
sondern genietet. Damit war die 'theoretische Tauchtiefe'
auf 80 - 90 m begrenzt.
Die
Länge des Bootes wirkte sich sehr positiv auf die Inneneinrichtungen
aus, alle Räume waren größer. So hatten Kommandant wie auch der
L-Ing. jeweils eine richtige Kammer für sich. Wie bei den Typ-IX-Booten
waren im Bugraum 4, im Heckraum 2 Torpedorohre, also 6 Aale in den
Rohren und 4 in Reserve vorne und 2 achtern; Oberdeckstuben gab
es nicht.
Größe:
1128 to ü.W. 1284 to u.W.
Länge:
86,7 m
Durchmesser:
6.80 / 4.35 m
Tiefgang:
4,12 m
Leistung:
4000 - 4600 PS Dieselmotoren; 1300 PS E-Maschine
Tauchtiefe:
begrenzt 80 - 90 m, weil genietetes Boot (wurde überschritten)
Brennstoffvorrat:
250/113 to
Bewaffnung:
4 Bug- und 2 Hecktorpedorohre
Artillerie:
1-10,5; 2-2 cm
Bemerkung:
Zweihüllenboot für ozeanische Verwendung
Besatzung:
4/41
Die
Dieselmotoren wichen eindeutig von allen unseren Booten ab. Sowohl
bei den VII-C, als auch bei den Typ-IX-Booten waren MAN, Krupp,
bzw. (Lizenz Krupp) 4-Takt-Motoren eingebaut.
Bei
'U-A' handelte es sich um 2 direkt umsteuerbare 2-Takt-Motoren
der dänischen Firma Burmeister & Wain, Kopenhagen.
Typ:
35-VU-42; 480 U/min;
Leistung
2000-2300 PS je Motor
Kolbenabmessung
350 mm Ø; Hub 420 mm.
Durch
die von der Norm der deutschen Boote abweichenden Motoren bestanden
hier andere Verhältnisse. Da sich bekanntlich bei 2-Takt-Motoren
der Arbeitstakt bei einer Kurbelumdrehung abspielt, ist der Spülvorgang
ein sehr kurzer. Um letzteren zu intensivieren, ist jeder Motor
mit einem Spülluft-Kapselgebläse gekuppelt, damit jeder Zylinder
mit der notwendigen Verbrennungsluft versorgt wird.
Wegen
des geringen Abgasgegendrucks bei 2-Takt-Motoren konnte nach dem
Anblasen die Tauchzellen nicht 'mit Diesel' ausgeblasen
werden. Hierfür war im Motorenraum ein elektrisches Turbogebläse
installiert. Ein sehr großer Stromverbraucher und 'Krachmacher'.
Die
BBC-E-Maschinen waren weitgehendst mit denen der deutschen Boote
identisch, ebenso die Akku-Anlage, bestehend aus 2 Batterien, mit
je 120 Zellen.
Tauchzellen
und Tauchbunker waren wie auf unseren damaligen Booten in 3 Gruppen
zusammengefaßt, so daß der 'Vorn-Mitte-Hinten-Effekt'
beim Tauchvorgang der gleiche war.
Die
Untertriebszelle war der Größe des Bootes entsprechend so bemessen,
daß die schnelle Durchbrechung der Wasseroberfläche beim Tauchvorgang
gewährleistet war. So erreichten wir bei unseren Erprobungen die
gleiche Alarmtauchzeit wie ein VII-C Boot.
Zur
Pressluft-Erzeugung waren im Motorenraum als auch E-Masch.-Raum
je ein großer E-Kompressor eingebaut. Ein Junkers-Dieselluftverdichter
kam während der Baubelehrungszeit noch dazu.
Die
Baubelehrung fand in enger Zusammenarbeit mit verantwortlichen Leuten
der Werft statt. Diese Arbeit war für uns 'Maschinenleute'
sehr aufschlußreich, weil zunächst alle Beschriftungen von 'türkisch
auf deutsch' geändert werden mußten. Für uns eine intensive
einprägsame Möglichkeit, wichtige Ventile, Schieber, Schalter, Aggregate
usw. im Gedächtnis zu behalten.
So
vergingen Tage und Wochen, wir alle waren froh, als wir Ende November
die Germania-Werft verlassen konnten. Mit unserem Boot hatten wir
jetzt einen festen Liegeplatz an der Tirpitz-Mole. Nicht weit entfernt
von unserem Wohnschiff-Domizil dem ''Wörmannschiff - Usambara'.
Die
UAK-Erprobungen begannen bereits zu Beginn des Monats Dezember unter
der Oberaufsicht von Kpt.z.S. Bräutigam. Mehrere Tauchfahrten, Alarmtauchen
in der Kieler Bucht sowie das Kompensieren der Kreisel-Kompass-Anlage
waren die letzten Obliegenheiten im Jahre 1939. Urlaub für alle,
zu Weihnachten und Neujahr, schlossen das Jahr ab.
Zur
weiteren Erprobung ging's nach Neujahr, ins Tiefwasser der Danziger
Bucht zur Meilenfahrt und auch weiteren Tauchversuchen. Die vorgegebene
Geschwindigkeit von 18 kn wurde erreicht.
Bei
den Tieftauchversuchen wurde die limitierte Tauchtiefe für unser
genietetes Boot bewußt überschritten ohne Probleme. Für uns eine
Beruhigung. Der Abhörversuch für unser Boot wurde in Pelzerhaken
/ Lübecker Bucht durchgeführt und bildete den Abschluß unserer Ostseefahrten.
Anfang
Februar war ein nochmaliger kurzer Werftaufenthalt zwecks Restarbeiten
erforderlich.
Der
Torpedo-Schießabschnitt mit Tag- und Nachtschießen in der Flensburger
Förde zu Beginn des Monats März war nicht nur für das Torpedo- und
seemännisches Personal ein unbedingtes Training sondern auch für
uns von der Maschine.
Unser
L.-Ing. war in jeder Hinsicht bestrebt, uns mit allen Eventualitäten
vertraut zu machen, welche in Zukunft zu erwarten waren. Damals
lagen bereits Fronterfahrungen von zurückkehrenden Booten der U-Flottille
Wegener vor.
Die
erste Unternehmung
Die
erste Unternehmung ließ auf sich warten. Mit dem 9. April 1940 begann
die Besetzung Dänemarks und der Norwegen-Feldzug.
Die
Ereignisse schienen sich jetzt für uns zu überstürzen. Daß es nach
Norwegen gehen sollte, sprach sich unter vorgehaltener Hand herum.
Wie
bereits erwähnt, wir waren zu dieser Zeit das größte Boot, auch
was unsere Bunkerinhalte betraf. Um es kurz zu machen, wir waren
dazu, ausersehen, die Luftwaffe in Norwegen mit Flugbenzin zu versorgen.
Für uns selbst nahmen wir nur den nötigsten Vorrat Dieselöl an Bord.
Um
in den Großteil unserer Bunker Flugbenzin zu übernehmen, waren noch
einige Umstellungen der Füll- und Entnahmeeinrichtungen erforderlich,
welche kurzzeitig nochmals in der Werft erledigt wurden.
Im
einzelnen wurden transportiert:
165
m³ Flugbenzin;
5
to Schmieröl für Flugmotoren
90
to Motorenöl für U-Boote
1
Stück 8,8 cm Flakgeschütz mit Zubehör und 1150 Schuß Munition,
16
Stück 250 kg Bomben.
Alles
in allem eine hochexplosive Fracht, welche während der ganzen Unternehmung
ein absolutes Rauchverbot auf dem ganzen Boot erforderlich machte,
einschließlich Turm und Oberdeck.
Mit
mehr als gemischten Gefühlen verließen wir Mitte April Kiel. Helgoland
wurde noch angelaufen, wo wir unseren Bug-Eisschutz entfernten und
noch eine Nacht lagen. Am anderen Morgen erwartete uns eine tiefhängende
Wolkendecke mit einer derben Brise, ganz der Jahreszeit und eben
der Nordsee entsprechend. Unbehelligt verlassen wir die Deutsche
Bucht und steuern in Richtung norwegische Küste.
Das
Dämmerungstauchen schließt ein Alarmtauchen ein. Das Wetter wird
schlechter, Windstärke 7 hört man von der Brücke, der Seegang ist
entsprechend. Beim weiteren Marsch nach Norden Wetterverschlechterung.
Unser
Ziel ist Trondheim. Niemand weiß, wie weit die englischen Seestreitkräfte
in diesem Bereich zugegen sind.
Nach
ca. 5 Tagen, stehen wir in angemessener Entfernung, vor der Einfahrt
zum Fjord. Unter Wasser beobachtet unser Kommandant in Abständen
den eventuellen Schiffsverkehr. Nach 2 Tagen fahren wie bei stockdunkler
Nacht in den Fjord ein. Die Situation ist unsicher und mit Spannung
geladen.
Ein
kaum auszumachender Schatten ist ein kleiner Bewacher. Dann von
dort ein Ruf mit der 'Flüstertüte': 'Ist Obersteuermann
Arnaschuß an Bord?'
Die
Antwort 'Ja' kommt prompt, von unserem Obersteuermann,
von der Brücke, erst hinterher wird 'ES' ausgetauscht!
Der 'Kolcher' lotst uns zum Liegeplatz. Der 'Bewacher-Obersteuermann'
und unserer umarmen sich, es sind alte Kameraden. Wir alle sind
froh, die erste Runde ist geschafft!
Die
nächsten Tage vergehen mit dem Ausladen unserer nicht ungefährlichen
Ladung. Das Flugbenzin wird in einen Leichter gelöscht. Mit leeren
Bunkern wird an einer tiefen Stelle im Fjord mehrfach getaucht,
um das Restbenzin auszuspülen. Unsere Aufgabe war damit erfüllt.
Trotz der Kampfhandlungen verläuft unsere Rückfahrt nach Kiel ohne
Zwischenfälle. Noch ein kurzer Aufenthalt in der Germania-Werft
ist wiederum erforderlich, um Füll- und Entnahmeeinrichtungen wieder
auf 'Normal' umzustellen. Dabei erfüllte uns noch eine
Bunkerexplosion in einem leeren 'Benzinbunker' mit Schrecken.
Ein Werftarbeiter wurde dabei schwer verletzt. Die Ursache: der
Funken einer schadhaften Kabellampe!
Zunächst
wußte es wohl kaum einer, wohin es gehen würde. Bald jedoch konnten
wir erahnen, daß es eine weite und lange Tour würde. Die Ausgabe
von Tropenzeug verhieß südliche Regionen.
Etwa
zum Monatsende Mai 1940 verließen wir Kiel. Wir kamen gut durch
die Nordsee. Erst entlang der Küste Norwegens ging der Kurs nach
Nordwest, bei schwer werdender See in Richtung Shetland und Färöer
Inseln.
Unserem
Kommandanten war bekannt, daß in diesem Seegebiet auf einem Suchstreifen
4 ehemalige englische Passagierschiffe, als Hilfskreuzer umgebaut,
das Auslaufen von deutschen Kriegsschiffen verhindern sollten.
Am
16.6.40 lief uns der englische 13.950 to Hilfskreuzer 'Andania'
vor die Rohre. Unsere Chance war, daß englische Zerstörer wohl im
Seegebiet aber nicht in unmittelbarer Nähe waren. Bei einem Überwasserangriff
des Nachts trafen trotz heftigem Artillerie-Abwehrfeuer von einem
4-Fächer 2 Torpedos, wovon 2 tödlich waren.
Die
beiden anderen 'Aale', waren entweder Tiefensteuer- oder
Magnetpistolenversager! Einen verspäteten 'Wabo-Segen'
bekamen wir noch, welcher mehrfache Licht- und E-Ausfälle verursachte.
Diese hinterließen keine Schäden, mit Schleichfahrt waren wir weit
genug abgelaufen.
Für
uns alle war dieser 'schwere Brocken 'ein verheißungsvoller
Anfang. Im Laufe der folgenden Wochen kamen noch weitere 6 Schiffe
dazu.
Was
noch alles auf uns zukam, wie gut, daß wir davon jetzt noch nichts
wußten. Weiter nach Süden ging die Fahrt, bei mäßiger Atlantikdünung.
Es wird wärmer, die Tropentage beginnen. Wir befinden uns in Höhe
der Kanaren, mit Richtung Wendekreis des Krebses. Die ersten Delphine
begleiten uns stundenlang in Dwarslinie. Für uns Nordeuropäer eine
neue Erscheinung. Mit ihrem pfeilschnellen Emporschnellen mit ihren
'schwarzpolierten Rücken' und der 'weißen Weste'
bieten sie ein amüsantes Schauspiel.
Wo's
Delphine gibt, sind auch die Haie nicht fern. Beim langsamen 'Auf-
und Abdümpeln' in einem Quadrat kommen die ersten 'Biester'
in Sicht. Unsere vorbereite Angel, bestehend aus einem Fleischerhaken
verbunden mit einer 5 mm Stahlseilkardele und Schwimmkörper, fliegt
über Bord. Mit einem Biß ist der Köder samt Angel im Rachen verschwunden.
Die 10 m lange mit der Angel verbundene Hanfleine spannt sich, das
Tier wird an die Bordwand herangezogen. Unsere seemännische Nr.1,
Ob.Bts.Mt. Ahnefeld, jagt ein Magazin der Maschinenpistole in den
Hai. Beim letzten Schuß trifft er das Drahtseil, Hai samt Angel
saufen ab. Beim Nächsten ist man vorsichtiger. Heftig um sich schlagend
wird das noch gefährliche Tier an Oberdeck gezogen und durch eine
Leine am Schwanz gefesselt. Unser Ob.Assistenzarzt, Dr. Richter,
öffnet mit chirurgischem Können den 'Räuber', das entfernte
Herz schlägt noch ca. 20 Minuten. Die Schwanzflosse wird abgeschnitten,
präpariert, getrocknet und als Mitbringsel für den BdU aufbewahrt.
Ein
zunächst unerklärliches Ereignis beim Alarmtauchen: Unser Boot wird
sehr stark erschüttert, wie wenn's gegen einen 'riesigen Sandsack''
gestoßen wäre. Unser III W0 Lt.z.S. der Reserve Robi Metz, im Zivilberuf
Kapitän auf Walfangbooten, hatte dafür eine plausible Erklärung:
Wir hatten unter Wasser einen wohl sehr großen Wal gerammt! - Er
vermittelte uns auch die Kenntnis der eigenartigen Unterwassergeräusche
'Quietschgeräusche'. Es sind Verständigungslaute sowohl
zwischen Delphinen als auch zwischen Walen! Für uns als erstes Boot
in südlichen Gewässern, in Äquatornähe, eine absolute Neuheit.
Die
erlebten Tropentage, sieht man von der Hitze ab, sind einmalig.
Im Besonderen die Sonnenauf- und -untergänge sind faszinierend
in ihrer Farbenpracht.
Seit
unserem ersten Versenkungserfolg am 16.6. konnten wir auf unserem
Marsch nach Süden 2 Frachter mit 3828 und 4201 to und 1 Tanker mit
5828 to versenken, also insgesamt 4 Schiffe mit 27.827 to's. Mehrfach
wurde dabei die '10,5' eingesetzt, um Torpedos zu sparen.
Wir hatten zu diesem Zeitpunkt noch 3 Aale. Um diese Zeit erreichte
uns ein FT, unsere Torpedo- und andere Vorräte von 'Schiff
33', dem Hilfskreuzer 'Pinguin', zu ergänzen, denn
Versorgungsboote gab's damals noch nicht.
Der
Seekriegsleitung waren die Standorte bekannt.
Südlich
der Kap Verden nach dem morgendlichen Dämmerungstauchen am 15. Juli
läßt unser Kommandant nahezu den Großteil aller ''Wachfreien'
auf die Brücke kommen. In der Ferne dümpelt ein Frachter. Wir kommen
einander näher.
Ich
lese am Heck 'Kassos - Greece', an der Bordwand Weiß und
Kornblumenblau die griechischen Nationalfarben und nochmals Schiffsname
und Nationalität. Bei weiterer Annäherung hißt das Schiff die deutsche
Kriegsflagge,
der Treff mit dem Hilfskreuzer 'Pinguin' ist perfekt..
Wohl kaum einer von uns wußte damals von der Existenz solcher Schiffe.
Unser
Kommandant klettert als erster über die Lotsentreppe an Bord des
Hilfskreuzers. Wie wir später hörten, wird er vom Kommandanten,
Kpt.z.S. Ernst Felix Krüder, sehr herzlich empfangen. Ein sehr großherziger
Mann, Kpt.z.S. Krüder, das erfuhren wir alle. Seine erste Anordnung
für den 3-Tage-Treff:
Jeweils
pro Tag, für 1/3 unserer Besatzung ein 24-Stunden-Aufenthalt auf
seinem Schiff mit allem Pi-Pa-Po! Totales Frischwasserbad, saubere
frische Kojen, Schwimmen in der Segeltuchbadeanstalt an Deck. Freizeit
in Liegestühlen, ein Beck's Bier für jeden und vorzügliches Essen.
Nach 7 Wochen 'Röhre' für uns ein Zustand wie im Paradies!
Alles
Lebensnotwendige wurde für unser Boot übernommen. Frischproviant,
Frischwasser und der 'Saft' für unsere Motoren, Brennstoff
und Schmieröl.
Jeden
Morgen wurden wir zudem noch mit frischen Brötchen verwöhnt!
Wegen
der Torpedoübernahme hatte unser Kommandant Bedenken, wir hatten
keinerlei Ladegeschirr. Dieses Problem wurde jedoch vom L.-Ing.
des Hilfskreuzers bravourös gelöst. Schneller als in jeder Werft
in der Heimat, schmiedeten u. schweißten die Hilfskreuzermänner
binnen Kürze einen Kran mit Ausleger und was noch dazugehörte zusammen!
Bei
schwerer Dünung auf großen Motorbooten wurden die Aale transportiert,
an Bord gehievt , fast so wie im Stützpunkt, und in die Luks geführt!
Auf
gleiche Weise gelangte Proviant und alles sonst noch Notwendige
an Bord.
Ich
selbst gehörte zum 2. Törn, für den 24-StundenAufenthalt. Jeder
Einzelne von uns wurde beim Anbordkommen vom Kommandanten mit Handschlag
und alle zusammen mit herzlichen Worten begrüßt.
Ich
nahm mir Zeit, das ganze Schiff mit seinen kriegstechnischen Einrichtungen
zu besichtigen. Für einen Außenstehenden umwerfend und kaum zu fassen!
Für
die Ruhe und Erholung unserer Besatzung bot unser Kommandant einigen
Offizieren und Männern die Einladung auf unser Boot zu einem Alarmtauchen
an. Man kann sagen, alle waren begeistert!
Ich
selbst, ursprünglich von der MAN kommend, habe keinesfalls die dortige
Maschine vergessen; für mich fast eine Verpflichtung! 2 blitzsaubere
mächtige 6 Zylinder doppeltwirkende 2-Taktmotoren mit je 3800 PS
und einem Zylinderdurchmesser von 530 mm gaben dem Schiff eine Geschwindigkeit
von 19 Knoten. Dieses Schiff wurde 1936 bei der AG-Weser in Bremen
gebaut und fuhr als MS 'Kandelfels', 7766 to, bei der
Hansa-Reederei im Ostasiendienst.
Am
Abend des 18. Juli nahte die Abschiedsstunde. Wir nahmen noch Post
von der Besatzung mit in die Heimat. Für uns alle kein leichter
Abschied; nicht wissend, ob man sich wiedersehen würde.
Der
HK-'Pinguin' war der erfolgreichste in beiden Weltkriegen.
150.000 to verlor die feindliche Schiffahrt durch ihn. Im Kampf
mit dem weit überlegenen britischen Kreuzer 'Cornwall'
am 8.5.41 ging das Schiff mit seinem Kommandanten und dem größten
Teil der Besatzung in die Tiefe.
Wir
steuern weiter nach Süden. Am 28.7.40 erreichen wir unseren südlichsten.
Punkt, bei ca. 2 Grad Nord. Nach alter Seefahrer-Tradition kam Neptun
an Bord. Seine Trabanten besorgten das notwendige. Alle kamen wir
dran, wurden vom Schmutz der nördlichen Halbkugel gereinigt, als
erste U-Bootsbesatzung am Äquator. Unser neuer Kurs geht Richtung
Osten in afrikanische Küstennähe. Bei der Versenkung des 5. Schiffes
ging alles sehr schnell. Bei stockdunkler Nacht 2 Torpedotreffer.
Der griechische Frachter 'Aspasia' 4211 to zerbarst in
einem riesigen Feuerball. Er war vermutlich voll beladen mit Munition.
Nur aus dem Treibgut konnte der Name des Schiffes ermittelt werden.
Wir
freuen uns alle; mit Richtung Nordkurs sollen wir der Heimat näherkommen.
Nie ganz sicher, ob alles reibungslos und glattgehen würde. Den
Mastspitzen - am Tage gesichtet - setzen wir uns vor. Bei mondheller
Nacht
haben wir das Schiff vor den Rohren. Durchs Boot hört man die Meldung
'Torpedo läuft'. Von der Brücke vernimmt man den Schrei
'Oberflächen-Kreisläufer'. Welch ein Glück ist die mondhelle
Nacht! Von einem Dünungsberg zum anderen, springt der 'verrückte
Aal' im Kreis in Richtung auf unser Boot! Mit Ruder 'Hart
Backbord' und 'Steuerbord-Maschine AK Voraus', 'Backbord
AK zurück', erreichen wir die Parallelität zum Aal. In geringem
Abstand läuft er an unserem Heck vorbei. So das Erlebnis vom Brückenpersonal.
Wer das Verschulden an diesen 'Aalversagern' hatte, wurde
wohl kaum einem U-Bootfahrer bekannt.
Mit
dem was jetzt kam, wurde unser Optimismus jäh unterbrochen. Zunächst
wurden in der Mitte des Zylinderblocks am Stb.-Motor an einem Längsriß
austretende Wasserperlen sichtbar. Bei geringer Motordrehzahl bzw.
Belastung des Motors wurden die Undichtigkeiten zunächst weniger,
hörten jedoch nie ganz auf. Wir verloren eindeutig Motorkühlwasser.
Nach wenigen Tagen die gleiche Erscheinung an der Bb.-Maschine.
Die Ursache der Leckagen: an beiden Motoren eindeutig durchgehende
Risse auf der ganzen Länge der Zylinderblöcke. An höhere Motordrehzahlen,
d.h. die Schiffsgeschwindigkeit zu erhöhen, daran war nicht mehr
zu denken. All diese Risse fingen an zu klaffen, wurden größer;
die Wasserströme nahmen erheblich zu.
Niemand
wußte eine Erklärung über das Warum! Darüber nachzudenken war jetzt
wenig sinnvoll. Es mußte etwas geschehen! Was war zu tun? - Diese
Gedanken quälten nicht nur uns von der Maschine! Ohne Antrieb weit
von der Heimat verkommen? Sollen wir weiter dümpeln? Wie weit ist's
bis an Land, denkt mancher. Von einer eventuellen Internierung auf
den Kanaren oder Kap Verden wurde gesprochen bzw. erwogen. Aber
es kam Gott sei Dank anders!
Wer
kam auf die Idee, von wem wurde sie geboren, war's unser L.I. oder
der Motor-Obermaschinst Hermann P.? Die Torpedolade- und -übernahmeschienen,
das war die Möglichkeit, sie wurden unsere Rettung. Mit viel Mühe,
Können und Schweiß, wurden aus diesen zersägten T-Schienen Spannstützen
gefertigt. Mit diesen wurden die Zylinderblöcke mit Hilfe von Drahtseilen
und Spannschrauben kompakt mit den Druckkörperspanten versteift.
Die Bruchstellen der Zylinderblöcke waren wohl nicht beseitigt,
jedoch so festgepresst, daß die Leckagen bis auf ein geringes Minimum
reduziert wurden.
Wir
konnten wieder auf '2 x Halbe' bzw. ' große Fahrt'
gehen. Zudem hatten wir die Möglichkeit, durch die Spannschrauben
während der ganzen Rückreise eventuelle Lockerungen der Spannstützen
zu korrigieren. Wirklich eine wohl durchdachte und gelungene Konstruktion.
Auf
unserer Rückreise konnten wir unsere Versenkungserfolge um 2 Frachter
erhöhen. Mit 7 Wimpeln am Sehrohr, 41.000 to, liefen wir Ende August
in Wilhelmshaven ein. Hier kam überraschend und kurz Admiral Dönitz
zu uns an Bord und sah nur die stehenden Motoren, welche im Stillstand
harmlos aussahen.
Erst
ein kurzzeitig späterer Probelauf der Motoren in Kiel im Beisein
des 2. Adm. der U-Boote, Adm. Friedeburg, und dem Verbands-Ingnieur,
Kpt.z.S.-Ing. Teetzen, brachte das wahre Bild der letzten Wochen
und unsere Arbeit und Sorgen zum Vorschein. Unser L.I. KptLt.-Ing.
Teichmann erhielt damals das wohlverdiente EK-I.
3
Monate Unternehmung lagen hinter uns. Das Rätselraten und Kopfzerbrechen
über die Ursache dieser wohl in der ganzen U-Waffe einmaligen 'Motorpanne'
wollte kein Ende nehmen. Für mich war es bedauerlich, nach dieser
Fahrt 'U-A' verlassen zu müssen, denn solche Erlebnisse
'schmieden' zusammen - bis auf den heutigen Tag.
Durch
die Verbindung zu meinen Bootskameraden, blieb mir auch die vermutliche
Ursache unseres 'Motoren-Desasters' nicht verborgen. Um
es kurz zu machen: 'U-A' ging zurück zur Germania-Werft.
Die Motoren wurden vermutlich gegen neue bei B&W in Kopenhagen
ausgetauscht. Was dort untersucht wurde, ist mir nicht bekannt.
Nur soviel: vor dem Einbau der neuen Motoren wurden von der Werft
die Motorfundamente im Boot verstärkt. Diese Möglichkeit war's dann
wohl!?
'U-A'
hat unter dem nächsten Kommandanten, KKpt. Eckermann, zwei weitere
Atlantikfahrten. unternommen. War auch maßgeblich beteiligt an der
Rettung von 411 Schiffbrüchigen des Hilfskreuzers 'Atlantik'
und des Versorgungsschiffes 'Python', welche von dem engl.
Kreuzer 'Devonshire' zur Versenkung gezwungen wurden.
Zusammen mit italienischen U-Booten wurden die Schiffbrüchigen nach
Bordeaux geschleppt.
Ende
1941 fuhr das Boot als U-Tanker nochmals unter KKpt. Cohausz. Danach
tat es Dienst als Schulboot bis Kriegsende. Motorenprobleme wie
wir sie hatten, traten nie mehr auf.
Damit
das 'Ernstlich-heitere' nicht zu kurz kommt, noch ein
Gedichtsauszug von unserem unvergessenen Ob.Ass.Arzt Dr. Richter,
die beiden gravierenden Ereignisse unsere 2. Unternehmung betreffend:
Von
Kiel fuhr stolz ein Boot heraus,
in
Wogen, Wind und Sturmgebraus,
es
fuhr mit Schwung und Eleganz,
denn
die Motoren waren noch ganz.
Und
weit vom fernen Heimatstrand
auf
sich gestellt und unbekannt,
der
Tonnen viele zu versenken,
um
so Herrn Churchill tief zu kränken.
Der
II WO sitzt auf der Brücke,
raucht
'ne Zigarre 'ne ganz Dicke
und
dann spricht er still und weise:
'Torpedowaffe
alles Sche--e!'
Für
ihn hat nur eines Witz,
Barbara
und sein Geschütz.
Das
tut blitzen, das tut krachen',
damit
kann man Eindruck machen.
Außerdem
soviel ich weiß,
schießt
so etwas, nie im Kreis !!!
Augsburg
im Juni 1994
Hermann
Wien (verstorben 2004)
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