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VON
HERMANN WIEN , AUGSBURG
Es
handelte sich um einen völlig neuen Bootstyp, nämlich den Typ IXD1,
mit einer Länge von ca. 84 m, einer Wasserverdrängung von 1500 to.
Die Besatzungsstärke betrug 61 Mann. Das Boot wurde bei der AG-Weser
in Bremen gebaut.
Mit
einer völlig neuen Antriebsanlage, von 6 Daimler-Benz-20 Zylinder-V-Motoren,
mit jeweils 1500 PS, hatte das Boot eine Gesamtleistung von 9000
PS, eine Maschinenstärke, die es bislang nicht gab. Es war seinerzeit
das schnellste Boot, mit einer Geschwindigkeit von 21,5 sm/h
Von diesem Typ gab es nur noch einen Nachfolger, nämlich
das Boot U-195.
Diese
umfangreiche Motorenanlage hatte sowohl Vor- als auch Nachteile.
Die hohe Geschwindigkeit war als absoluter Vorteil zu betrachten,
hat sie uns doch sehr geholfen, im Jahre 1943, bei dem immer gefährlicher
werdenden Marsch durch die Biskaya. Die Eigenart des Einspritzsystems
(Vorkammer Einspritzung) war ein Nachteil. Beim Hochfahren der Motoren
von Teillast- zum Vollastbetrieb war die Farbe der Dieselabgase
schwarz, für ein U-Boot im Operationsgebiet gefährlich, man kann
sagen fast untragbar.
U-180
wurde im April 1942 in Dienst gestellt, unser Kommandant war der
Korv.Kpt. Werner Musenberg, der Leitende Ingenieur KptLt. Dipl.Ing.
Rudolf Opelt. Ich selbst tat auf dem Boot Dienst als Obermaschinist,
verantwortlich für die Dieselmotorenanlage.
Nach
UAK-Erprobung und AGRU-Front-Ausbildung und all dem, was zu einem
Neubau-Bootstyp dazugehört, lagen wir im Januar 1943 frontklar in
Kiel, auslaufbereit.
Man
kann annehmen, nicht weil wir U-180 waren, sondern, weil wir um
diese Zeit auslaufbereit waren, dürfte das Los auf uns gefallen
sein, mit der nun beginnenden Fernunternehmung.
Gerüchte
gingen durch das Boot, wohin wird's wohl gehen, Auslauftermins wurden
festgesetzt und wieder verschoben, geht's nach Singapur oder nach
Japan, oder sonst wohin nach Fernost ? Das waren die Parolen, welche
uns alle bewegten. Wohin, das wußte sicher nur unser Kommandant
KKpt. Werner Musenberg.
Aus
eigenem Erleben möchte ich nun schildern, wie damals alles lief,
denn ich hatte am Abend vor dem Auslaufen Wache als O.v.D. und schlief
die Nacht an Bord.
Gegen
21.00 Uhr meldete der Posten vor dem Boot einen PKW auf der Pier.
Ein Offizier der Flottille, welcher sich entsprechend ausweist,
läßt Koffer und Gepäckstücke an Bord bringen. Stillschweigen wird
für alle befohlen.
Am
anderen Morgen mache ich mit der 1. Maschinenwache die Motorenanlage
seeklar.
Der
Abschied ist wie immer von den Angehörigen und Freunden, der Flottillenchef
hält eine kurze Ansprache. Wir legen ab, es wird gewunken, unser
Bug richtet sich fördeauswärts, nichts Außergewöhnliches
hat sich ereignet. In der Mitte der Förde, querab von Laboe, stoppt
das Boot, eine Motorpinass kommt längsseit, 2 Herren steigen ein.
Wir nehmen wieder Fahrt auf.
Ein
Rätselraten beginnt an Bord, wer sind die beiden Herren, mit fremdländischer,
gelblich-brauner Gesichtsfarbe? Dunkle Kleidung und Hüte sowie dunkle
Hornbrillen machen sie geheimnisvoll.
Nach
Beendigung meiner Maschinenwache um 12.30 Uhr sind aus den Herren
bereits 'U-Bootfahrer' geworden, angezogen wie wir alle,
mit Ihre schwarzen Hüte haben sie gegen Offiziermützen gewechselt.
Einer der beiden ist kräftig und untersetzt, ca. 1,70 m groß, der
andere wirkt klein und schmächtig.
Im
Geleitschutz geht die Fahrt weiter, vorbei an den dänischen Inseln,
Skagerrak, bis Christiansand. Niemand darf an Land.
Die
wildesten Gerüchte schwirren durch das Boot. Einer meint gar: 'Das
ist der 'indische Adolf', der war doch erst bei Hitler
ganz bestimmt hab' ich den vor nicht allzu langer Zeit in einer
Illustrierten gesehen.'
Unser
Kommandant gibt jedoch bekannt, daß es sich um 2 Fachingenieure
für U-Bootbunkerbau handelt, welche wir in Norwegen absetzen.
Am
nächsten Tag, in den Nachmittagsstunden, erreichen wir Egernsund
bei Bergen. Niemand verläßt das Boot, unsere Gäste machen keine
Anstalten, auszusteigen. Erst am anderen Morgen, als wir ohne Geleitschutz
für lange Zeit dem Lande den Rücken kehrten, wurden wir über die
Identität unserer Gäste und das Ziel unserer Fahrt eingeweiht.
Erst
jetzt machte uns unser Kommandant, in weiser Voraussicht, mit dem
geheimnisumwitterten Vorgang von höchster politischer Brisanz vertraut.
Wir
hatten in Kiel den indischen Freiheitskämpfer Subhas Chandra-Bose
und seinen Adjutanten Habid Hasan an Bord genommen, unsere Aufgabe
war, beide unbeschadet in's Seegebiet von Madagaskar zu bringen,
um sie dort zur Weiterfahrt nach Indien bzw. an die Burmafront an
das japanische U-Boot I-29 zu übergeben.
Subhas
Chandra-Bose kam im Jahre 1941, noch vor Beginn des Rußland-Feldzugs,
auf seiner Flucht aus Indien über den Kyber-Pass nach Afghanistan.
Sein Weg führte weiter über Kabul nach Rußland, um nach der Verfolgung
durch die britische Kolonialmacht Indiens Deutschland zu erreichen.
Hier
in Deutschland scharte er nahezu alle in Europa lebenden Inder um
sich. Außerdem Kriegsgefangene der britisch-indischen Kolonialstreitmacht
aus dem Afrika-Feldzug. Mit Hilfe der Wehrmacht bildete er damit
die Kadergruppe 'Legion Freies Indien'. Mit diesen gut
ausgebildeten Leuten wollte er in seinem Heimatland den Kampf gegen
die britische Kolonialmacht aufnehmen.
Hitler
erhoffte sich durch diesen militärischen Widerstand in Indien eine
Entlastung auf dem europäischen Kriegsschauplatz.
Um
in sein Heimatland zu kommen, blieb zur damaligen Zeit 1943, für
Bose nur noch der Seeweg offen. Aber es kam alles ganz anders. Wir
jedoch erfüllten unsere Aufgabe, trotz mancherlei Hindernissen und
Gefahren, klappte unser Auftrag minutiös. Am 22. April 1943 konnten
wir die beiden Inder an das japanische U-Boot I-29 übergeben.
Nach
dem Verlassen unseres letzten Hafens zeigt unser Bug nordwärts.
Wir waren jetzt alleine auf uns gestellt ohne Geleitschutz. Bei
Seegang 5, an Stärke zunehmend, ging's entlang der norwegischen
Küste. Das war zu begrüßen, ein Wetter, welches uns begünstigte,
aus der stark überwachten Nordsee ungeschoren herauszukommen. Jeden
Tag wurde alarmgetaucht, damit wir in Übung blieben, um bei Feindüberraschungen
sicher zu sein.
Mit
fortschreitender Fahrt wurden unsere indischen Gäste immer scheuer
und zurückhaltender. Was für uns U-Bootfahrer das bedingt 'Normale'
war, belastete einen Außenstehenden natürlich um vieles mehr. Dabei
sei an die mit allem vollgepackte 'Röhre', Torpedos, Proviant,
Kisten mit möglichen und unmöglichen Dingen zum Austausch mit unseren
damaligen japanischen 'Bundesgenossen' gedacht; kein Tageslicht;
der im ganzen Boot hörbare Motorenlärm, wahrlich eine Atmosphäre,
welche für einen Fremden deprimierend wirken dürfte.
Dies
alles wurde auch nicht besser, als wir in Höhe von Englands Norden
auf Westkurs gingen, und die berüchtigte Durchfahrt zwischen Island
und Färöer-Inseln ansteuerten. Berüchtigt deshalb, weil
dieses Seegebiet sowohl von See als auch von der Luft her ganz stark
überwacht wurde. Der Feind wußte, hier müssen sie ja durchkommen,
die German submarines.
Das
Wetter wurde immer schlechter, desgleichen auch die Sicht, ein Glück
für uns, denn dadurch wurde die feindliche Überwachung wesentlich
erschwert. Die See kam direkt von vorne und die Windstärke nahm
tatsächlich zu, bis 12!
Nur
angeschnallt konnte sich die Brückenwache auf dem Turm halten. Unser
Kommandant entschloß sich daher, nur noch nachts über Wasser zu
fahren und tagsüber zu tauchen. Wenn wir laut Maschinenumdrehungen
240 sm zurücklegen sollten, so waren es in Wirklichkeit nur 100-200
sm, so stark lief die See gegen uns. Selbst unser IWO, ein alter
erfahrener Handelsschiff-Offizier, konnte sich kaum an solch schlechtes
Wetter während all seiner Fahrenszeit erinnern. Die ganze Besatzung
und natürlich insbesondere unsere indischen Gäste waren froh, wenn
wir kurz vor der Morgendämmerung in den Keller gingen. Auf 50 -
60m lag das Boot völlig ruhig.
Nach
etwa 10 Tagen erreichten wir den freien Atlantik, die Hauptgefahrenzone
lag hinter uns, das Wetter war besser geworden, wir gingen auf Kurs
Süd. Unsere beiden Gäste, welche während der Schlechtwetterphase
die meiste Zeit in ihren Kojen verbrachten und wenig Nahrung zu
sich nahmen, lebten jetzt wieder auf, zeigten einen gesunden Appetit,
sie lebten sich in die Bordgemeinschaft ein und waren gute, kameradschaftliche
Reisegefährten.
Herr
Bose sprach ein leidliches Deutsch, deshalb war es nicht leicht,
mit ihm in eine fließende Unterhaltung zu kommen. Um mit den Worten
unseres Leitenden Ingenieurs zu sprechen, er war eine würdevolle,
introvertierte Persönlichkeit, mit fürstlich zurückhaltendem Auftreten.
Man glaubte, ihm seine Probleme anzusehen. Er schrieb sehr viel;
wie mir Herr Hasan sagte, arbeitete er an seinem Buch 'Mein
Kampf für Indiens Freiheit!'
Herr
Habid Hasan, der Adjutant, war weniger zurückhaltend, sprach sehr
gut Deutsch, fast mit Berliner Dialekt. Er hatte in Oxford studiert,
war 28 Jahre alt. Kurz vor dem Kriege kam er nach Deutschland und
studierte weiter auf der TH in Berlin, Straßenbau. Ich konnte mich
oft mit ihm unterhalten, denn er war mein Kojen-Obermann. Fast kann
man sagen, er war ein Witzbold, denn auch mit Witzen über die Größen
des 3. Reiches hielt er sich nicht zurück.
Von
ihm konnte ich erfahren, daß die britische Regierung ein Kopfgeld
von 1000 Pfund ausgesetzt hatte.
Uns
allen war zu der Zeit kaum richtig bewußt, welch großer Mann Bose
zur damaligen Zeit für sein Land war. Im Gegensatz zu Ghandi, welcher
den gewaltlosen Widerstand gegen die britische Kolonialmacht anstrebte,
war er für militärische Gewalt. Bose hat Indien nicht erreicht.
Auf dem Wege von Japan zur Burma-Front bzw. Indien ist er verschollen.
Es wird angenommen, daß er mit einem japanischen Flugzeug abstürzte,
aber es gibt auch andere Versionen.
Die
Fahrt ging weiter südwärts, durch das schlechte Wetter hatten wir
mehr Brennstoff verbraucht als ursprünglich vorgesehen.
Vor
dem Weitermarsch übernahmen wir am 03. März vom Versorgungs-Uboot
U-462 (ObLt Vowe) Brennstoff und andere lebenswichtige Dinge. Die
Temperaturen im Boot nahmen täglich zu, wir näherten uns dem Äquator.
Wir in der Maschine bekamen am meisten davon ab, besonders beim
täglichen Prüfungs- oder Alarmtauchen, wenn die Motoren bei Stillstand
ihre Hitze in den Raum strahlten. 50 - 60 Grad Raumtemperatur waren
da das Normale.
Die
Brückenwache litt unter der Tropensonne, jedoch hatte Petrus mit
den Kameraden ab und zu - durch einen kräftigen Regenguß - Erbarmen,
während wir das nur von Zentraleluk aus beobachten konnten. Die
nächste Abwechslung im eintönigen Südmarsch war die Äquatortaufe,
fast schon bedenklich, wegen der auch in diesem Seeraum beginnenden
Flugüberwachung. Alle kamen sie dran, um vom Schmutz der nördlichen
Halbkugel gereinigt zu werden. Auch unsere Gäste überstanden die
Tortouren mannhaft.
Für
unsere Unternehmung lautete der Auftrag, mit aller Sicherheit unsere
Gäste ans Ziel zu bringen. Dies bedeutete: Keine Angriffe auf Geleitzüge,
allenfalls auf Einzelfahrer. Unser Kurs führte uns vorbei an den
Inseln Ascunsion und St. Helena, wo äußerste Vorsicht geboten war,
zu dieser Zeit waren die Eilande bereits Flugstützpunkte unserer
Feinde.
Zu
allem Unglück fiel bei steigenden Temperaturen ein Frischwassererzeuger
aus. Kein Ersatzteil für ein gebrochenes Zahnrad der Brüdenpumpe!
Wir alle konnten es nur dem Geschick und exzellenten Können unseres
Maschinen-Obermaaten Kurt Fella danken, welcher 5 gebrochene Zähne
durch ein in präzisester, handwerklicher Arbeit gefertigtes Zahnsegment
in das Zahnrad einpaßte und somit diese prekäre Situation beseitigte!
Der Frischwasserverbrauch war bei unserem Bootstyp insofern viel
höher als auf anderen Booten, waren doch unsere Motoren im Wärmetauscherverfahren
frischwassergekühlt !
Nach
wochenlangem Südkurs umrundeten wir das Kap. Kurs Nord-Ost war jetzt
die neue Richtung im Indischen Ozean zu unserem vereinbarten Treffpunkt.
Daß unseren Weg in diesem großen Seegebiet ein britischer Tanker
kreuzte, war für ihn Schicksal, für uns eben Krieg. Der Tanker 'CORBIS'
8132 BRT, beladen mit Heizöl für Kapstadt, wurde am 18.04.43 nachts
durch Überwasserangriff versenkt. Nach dem zweiten Treffer sank
das Schiff, weithin sichtbar brennend. Schiffbrüchige in einem Rettungsboot
längsseits kommend, wurden mit dem Notwendigsten versorgt.
Bei
einem Unterwasser-Angriff ging uns nach einigen Tagen ein schnellaufender
Frachter verloren. Dem Feind war hier das Kriegsglück hold. Betrachtet
man die langen Seetage mit dem ewig gleichen Törn, der Spannung
und der 'Blechkrankheit', wie wir sie benannten, war doch
jetzt durch diese Ereignisse die Eintönigkeit durchbrochen.
Unsere
ganze Aufmerksamkeit war jetzt auf das bevorstehende Zusammentreffen
mit den Japanern gerichtet. Beim Dämmerungstauchen am frühen Abend
des 20. April hört der Funker Schraubengeräusche eines dieselgetriebenen
Schiffes! Nach dem Auftauchen wird vom Stb.-Ausguck am nachtschwarzen
Horizont ein hin- und hertaumelnder Schatten gesichtet.
U-180 hängt sich an, wir werden nicht gesehen.
Laut
Navigation stimmt die Position (Planquadrat KR 5276) östlich Madagaskar,
Schiffsform und Größe lassen keinen Zweifel, es ist der japanische
U-Kreuzer I-29!
Er
sieht uns nicht, er kann uns gar nicht sehen, weil er mit seinen
Turmaufbauten viel zu hoch aus dem Wasser liegt. Was für ein Glück
für die 'Söhne Nippons', daß wir 'Achsenpartner'
sind. Noch im Dunkel der Morgendämmerung tauchen wir. Bei beginnendem
Tageslicht wird wieder aufgetaucht, I-29 steht knapp 3 sm querab.
Der Austausch der vereinbarten Flaggensignale war jetzt nur noch
Formsache, man hatte sich erkannt, der Treff war perfekt.
Übergabe
und Übernahme:
Zunächst
wurde versucht, beide Boote in geringem Abstand nebeneinander zu
bringen. Wegen kabbeliger See, wobei sich beide Boote vollkommen
unterschiedlich verhielten, mußte zunächst das Aus- und Einladen
verschoben werden. Personenbeförderung wäre wohl möglich gewesen,
jedoch der Austausch kostbarer und z.T. sperriger Güter war unmöglich.
2 Tage marschierten wir, mit Kurs Nord, hinter dem Japaner.
Dann
wird die See ruhiger, der Wind flaut ab. Große Kisten, nur
teilweise durch's Torpedoluk zu übernehmen, werden an Bord gehievt.
Wir befördern unsere nach drüben zum Japaner. Es findet ein regelrechter
Austausch neuer Waffen und Erfindungen statt.
Dies
alles geschieht mit Schlauchbooten. Der Wettergott meint es weiter
gut, alles geht reibungslos vonstatten. Zwischendurch besichtigen
deutsche U-Bootmänner den Japaner und die Japaner U 180. Kommentar
auf U 180: Sonst alles tadellos, genau wie bei uns, bloß mehr
Platz für die Besatzung.
Zum
Schluß verabschieden sich Bose und Hasan. Mit Schwimmwesten umgetan,
klettern die beiden in das auf- und abtorkelnde japanische Schlauchboot.
Sie winken zurück!
Anstelle
der indischen Freiheitskämpfer steigen auf U 180 zwei japanische
Ingenieur-Offiziere ein. Beide Schiffbau-Offiziere, der Freg.Kpt.
Emi und Korv.Kpt. Tomonaga, sollen in Deutschland mit den Neuheiten
im U-Bootbau und Ausbildung vertraut gemacht werden (die japanischen
Offizier Tomonaga und einen weiteren japanischen KKpt. Shosi erreichten
auf der Rückfahrt nach Japan die Kapitulation auf U 234, beide nahmen
sich das Leben).
Nach
beendetem Austausch wird den scheidenden und an Bord gekommenen
Gästen ein dreifaches, kameradschaftliches Hurra ausgebracht.
Vollgepfropft
wie irgend möglich treten wir die Rückreise an. Außer den großen
sperrigen Gütern haben wir 50 Barren Gold, je 40 kg schwer, an Bord
genommen. Reines Barrengold, jeder Barren fein säuberlich in Hartholz
verschalt und versiegelt, also 2 to mehr Gewicht, für ein U-Boot
wahrlich nicht unproblematisch. Nach einigem Kopfzerbrechen fand
unser L.I. doch eine praktikable Lösung. Diese wertvolle Ladung
wurde so verstaut, daß die Trimm- und Gewichtslage für alle Tauchmanöver
ausgeglichen war. Das bedeutete natürlich, daß diese Last hauptsächlich
in den Wohnräumen und auch Bilgen gleichmäßig verteilt wurde.
Wir
laufen jetzt Süd-Süd-Westkurs, nichts ereignet sich. In Höhe von
Port Durban nimmt unser Kommandant einen Vorstoß in Richtung Küste.
Aus der Sonne kommend fliegt uns ein Beobachtungsflugzeug an. Zum
Alarmtauchen bleibt keine Zeit! Schnell ist Bastl Siebein an der
'2-Zentimeter', das Flugzeug nimmt mit einer Rauchfahne
Kurs 'Richtung Bach', während wir mit Alarm 'in den
Keller gehen' und unter Wasser ablaufen.
Unsere
neuen Gäste zeigten sich als aufmerksame Beobachter. Sie waren an
allem interessiert, insbesondere an unserer neuartigen Motorenanlage,
ihr Wissensdurst war kaum zu stillen. Höflich und freundlich, wie
sie uns Europäer eben erscheinen, erzählten sie ab und zu von ihren
Kriegserlebnissen in Fernost-Pearl-Harbour.
Am
3. Juni hatten wir noch einen Erfolg. Der von Santos kommende britische
Frachter 'Boris', 5166 BRT, mit Kurs Freetown, wurde des
nachts im Überwasserangriff versenkt.
Wir
alle wußten, was uns bevorstand, als wir uns der Biskaya näherten.
Ein vereinbarter Treff mit dem Versorgungsboot U 463 kam nicht mehr
zustande. Erst viel später, bei der Rückkehr in unseren Stützpunkt,
wurde uns, d.h. mir bewußt, daß U 463 am 15.5.43 des nachts durch
britische Bomber versenkt wurde. Es gab keine Überlebenden. Mein
Bruder, Eberhard Wien, fuhr auf diesem Boot als Obermaschinist.
Von
U 530, einem zurückkehrenden, nur noch beschränkt tauchfähigem Boot,
konnten wir noch soviel Brennstoff übernehmen, um die vor uns liegende
Strecke zu bewältigen. Das war am 19. Juni.
Ab
18 Grad West fuhren wir grundsätzlich unter Wasser. Aufgetaucht
wurde nur noch zum Aufladen der Batterien. Je weiter wir in Richtung
Ost fuhren, desto mehr wurden wir durch Flugzeuge nicht nur am Tage,
sondern auch des nachts, unter Wasser gedrückt. Es war manchmal
zum Verzweifeln, denn kaum war es mehr möglich, genügend 'Saft'
in die Batterien zu bekommen.
Und
dann hätte es uns an einem frühen Nachmittag beinahe erwischt! Ganz
schnell und überraschend aus der Sonne kommend, flog uns ein 2-Mot-Bomber
an. Tauchen war nicht mehr möglich, das wäre Selbstmord gewesen.
Durch den langen Seetörn sind die Maschinenwaffen unklar, ein Versuch
sie zu benützen, scheitert.
Dann
geht der Vogel auf ca. 200 m herunter und fliegt das Boot an! '3-mal
AK!' kommt von der Brücke. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich Maschinenwache.
Mit allen 6 Motoren gehe ich am Fahrstand auf Höchstdrehzahl, die
E-Maschinen werden dazugeschaltet. Das Boot durchpflügt mit 20 sm/h
die See, der Ruderlagenanzeiger wandert von Bb. nach Stb., mit solch
einer Geschwindigkeit hatte der Brite an seinem Zielgerät sicher
nicht gerechnet! Die Brückenwache sieht die Bombenschächte ganz
deutlich geöffnet, noch fällt keine Bombe. 'Wie schön, wenn
die da oben Ladehemmung hätten!' meint einer.
U
180 dreht mit Hartruderlage nach Stb. an. Ein Rauschen, die Vierlingsalve
des Bombers ist nur mit einem Abstand von ca. 1 m neben unserem
Heck in die See gefahren. Ehe der Riesenvogel wendet, geht's mit
AK-Schwung in den Keller, auf 100 m pendelt der L.I. das Boot ein,
weiter geht's auf Tiefe, denn sicher ist sicher. Es ereignet sich
nichts mehr, vielleicht hatte er tatsächlich Ladehemmung dort oben,
bestimmt aber hatte der Liebe Gott 'seinen Daumen dazwischen'.
Mai
und Juni 1943 waren die Monate mit den höchsten U-Bootverlusten.
Die meisten Boote gingen bei der Rückkehr oder beim Auslaufen durch
die Biskaya verloren. Mit viel Mühe und Not, immer in Gefahr durch
die feindliche Flugüberwachung, kamen wir nur langsam vorwärts.
Sieht
man davon ab, daß die U-Bootwaffe von der Luftwaffe keine Unterstützung
erhielt, hatten wir jedoch ein sehr großes Glück, als uns eines
Tages, noch in der Biskaya, ein deutscher Zerstörer in Schutz nahm.
Wir alle konnten damals annehmen, daß hierzu wohl in der Hauptsache
unsere wertvolle Ladung beigetragen haben dürfte, denn ansonsten
war so eine Hilfe absolut nicht üblich. Wir alle waren glücklich,
als wir am 9. Juli 43 die Girondemündung erreicht hatten.
5
Monate 'Röhre' und ca. 15000 Seemeilen Wegstrecke lagen
hinter uns, nahezu z des Erdumfangs. Ich glaube, so mancher von
uns sprach ein stilles Dankgebet! Die letzten Stunden der Girondefahrt
konnte der Großteil der Besatzung an Oberdeck verbringen.
Es
gab noch ein Festessen, aus dem Rest unseres Tiefkühl-Proviants
konnte unser 'Smut' noch so einige Schnitzel und Koteletts
verbraten! Die Lebensfreude nahm wieder Besitz von uns!
Nach
dem üblichen Empfang im Stützpunkt verholten wir schnell in den
Bunker. Dort stand bereits ein Spezialwaggon bereit für die 'wertvolle
Fracht', desgleichen die Wächter, Gestapo und Feldgendarmerie!
Aufregung gab es noch, als zunächst ein Goldbarren fehlte! 'Hein
Seemann' konnte sich den doch wohl kaum unter den Nagel gerissen
haben? Nach langem mühevollen Suchen wurde er doch noch gefunden,
nämlich nicht sichtbar im 'Mud' einer Bilge.
47
Jahre sind inzwischen vergangen. Es hat lange gedauert, bis wir
uns nach manchen wiederauftauchenden Lebenszeichen zusammenfanden.
Von 61 Mann sind wir immerhin noch 15, von denen meistens so etwa
10 oder einige mehr, zusammenkommen. Jedes Jahr natürlich, sei's
im Süden bei den Bergen oder im Norden an der Woterkant!
Hermann
Wien
(verstorben 2004) |